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  Südafrika 2010 FTD-Serie: WM am Kap der guten Hoffnung

Bei der Fußballweltmeisterschaft in diesem Jahr hofft Deutschland wieder auf den Titel. Doch etliche andere Nationen haben mindestens so gute Voraussetzungen wie die DFB-Elf. FTD.de analysiert in einem Spezial die Chancen, verfolgt alle Spiele rund um die WM und präsentiert Fakten, Neuigkeiten und Hintergründe.

Merken   Drucken   23.06.2010, 11:43 Schriftgröße: AAA

Deutschlands WM-Gegner im Wirtschaftstest: Ghana - Afrikas Aufsteiger

Vor den Spielen Deutschlands checkt die FTD, wie gefährlich unsere Gegner sind. Wo liegen wirtschaftliche Stärken und Schwächen? Zum dritten Gruppenspiel von Jogis Elf: Ghana. von Mathias Ohanian und Marina Zapf, Berlin
Noch bei der Fußball-WM 2006 wäre Ghana als ökonomische Größe kaum wahrgenommen worden. Inzwischen hat sich das 18-Millionen-Volk an der früheren "Goldküste" Afrikas in die Liste der zehn schnellst wachsenden Volkswirtschaften des Kontinents hochgearbeitet. 2010 rechnet die Afrikanische Entwicklungsbank mit einem Wachstum von sechs Prozent, 2011 gar mit über acht Prozent. Das sind Traumwerte für ein Land, das nicht übermäßig mit natürlichen Ressourcen gesegnet ist. Es mag indes sein, dass in den Aufschwung schon optimistische Aussichten auf reiche Ölfunde vor der Küste eingepreist sind.
Denn traditionell hängt Ghanas Volkswirtschaft noch stark von der Landwirtschaft ab. Der Agrarsektor trägt rund ein Viertel zur Wirtschaftsleistung bei und beschäftigt 60 Prozent der Bevölkerung. Nach der Elfenbeinküste ist Ghana mit einem Anteil von 20 Prozent der zweitgrößte Kakaoproduzent.
Ghanas Coach Milovan Rajevac   Ghanas Coach Milovan Rajevac
Den größten Sprung machte in den vergangenen Jahren aber zweifelsohne der Dienstleistungssektor. "Sein Beitrag zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts ist von 28 Prozent im Jahr 2003 auf 40 Prozent 2008 gestiegen", sagt Yvonne Mhango, Ökonomin bei der südafrikanischen Geschäftsbank Standard Bank. Insbesondere der Finanzsektor und der Einzelhandel legten in den vergangenen Jahren nach Einschätzung von Mhango kräftig zu.
Trotz der globalen Finanzkrise ist die Wirtschaft Ghanas im vergangenen Jahr um etwa vier Prozent gewachsen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) führt dies insbesondere auf den stabilen Export von Gold und Kakao zurück. Für dieses Jahr rechnet der IWF mit einem konservativen Plus von bis zu maximal fünf Prozent.
Dann soll es indes nach unterschiedlichen Einschätzungen steil bergauf gehen. Das Jubilee-Ölfeld vor der Küste des westafrikanischen Landes trägt seinen Namen, weil es 2007 - und damit im Jahr 50 nach der Unabhängigkeit - entdeckt wurde.
Die Regierung rechnet damit, dass ab dem kommenden Jahr rund 120.000 Barrel Öl pro Tag zutage gefördert werden könnten. Das wäre gerade das Doppelte des derzeitigen Verbrauchs des Landes, der laut Medienberichten rund 40.000 bis 60.000 Barrel beträgt. Aber der Produktionsbeginn ab Herbst dieses Jahres werde sich dann schon gewaltig auf das Wirtschaftswachstum niederschlagen, erwartet Mhango in ihrem jüngsten Wirtschaftsausblick. "Das Wirtschaftswachstum könnte mit prognostizierten 13,3 Prozent im nächsten Jahr seinen Höhepunkt erreichen." Noch einen Schritt weiter geht die Zentralbank Ghanas: Sie erwartet ein Wirtschaftswachstum von rund 20 Prozent für 2011.
Großes Spezial zur Fußball-WM
Höhere Staatseinnahmen würden dem Land helfen, den in der Finanzkrise gestiegenen Schuldenstand zu reduzieren. Ein Problem stellt auch die stark schwankende Inflation dar: Nach Spitzen von rund 20 Prozent 2009 fiel sie zuletzt auf noch knapp elf Prozent - schon nahe dem einstelligen Ziel der Zentralbank.
Deutschland unterstützt Ghana pro Jahr mit rund 43 Mio. Euro Entwicklungshilfe, auf die das Land aber zunehmend weniger angewiesen ist. Auf dem grünen Rasen trifft die deutsche Elf bei ihrer 17. Weltmeisterschaft auf einen Fast-Newcomer, mit dem zu rechnen ist. Die Danske Bank sagt anhand ihres ökonomischen Modells dennoch voraus, dass Deutschland am Ende siegt.
  • FTD.de, 23.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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