Die Turbulenzen an den Finanzmärkten haben die Realwirtschaft bisher nicht erschüttert. Die deutsche Wirtschaft verliert zwar weiter an Schwung. Die Industrie konnte jedoch laut einer Umfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts Markit unter Einkaufsmanagern von 1000 Firmen ihren Abwärtstrend stoppen. Der Index für die Industrie blieb unverändert bei 52 Punkten. Werte unter 50 Punkte signalisieren eine Abnahme der wirtschaftlichen Aktivität.
Volkswirte hatten deutlich schwächere Daten erwartet. Der Euro legte nach ihrer Veröffentlichung zu und notierte mit gut 0,8 Prozent im Plus. Die Einschätzung der Einkaufsmanager steht in starkem Kontrast zur Stimmungslage bei den Finanzprofis. Das ZEW-Konjunkturbarometer, eine Umfrage unter Analysten und Investoren, brach ein.
Das konjunkturelle Umfeld trübt sich aber auch für die Firmen ein. Der Composite-Index der Einkaufsmanagerbefragung, der auch die Dienstleister umfasst, sank im August nach vorläufigen Berechnungen von 52,5 Punkten auf 51,3 Stellen. In der Euro-Zone blieb das Barometer mit 51,1 Zählern nur knapp über der 50-Punkte-Marke.
Das Markit-Wirtschaftsforscher machen unter anderem die globale Nachfrageabschwächung für die Entwicklung verantwortlich. "Hinzu kommen die zunehmend unsicheren Konjunkturperspektiven und die Finanzkrise in der Euro-Zone, die dem Geschäftsklima massiv geschadet haben", sagte Chefvolkswirt Chris Williamson. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass die Wirtschaft im Euro-Raum im dritten Quartal noch schwächer wachse als im Frühjahr mit 0,2 Prozent.
"Die größte Sorge bereitet die annähernde Stagnation in Deutschland, das als Wachstumsmotor so gut wie ausfällt", sagte Williamson. Auch Frankreich schaffte nur ein schwaches Plus. "Außerhalb dieser beiden Schwergewichtsländer schrumpfte die Wirtschaftsleistung im Durchschnitt zum dritten Mal hintereinander", schrieben die Forscher. In Deutschland steige das Risiko, dass die Wirtschaft im dritten Quartal ähnlich schwach wächst wie im zweiten Vierteljahr mit einem Plus von 0,1 Prozent.