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Merken   Drucken   03.03.2011, 17:04 Schriftgröße: AAA

Euro im Höhenflug: EZB-Chef leitet Zinswende ein

Seit Monaten warten die Märkte auf ein Signal zum Ausstieg der Europäer aus der lockeren Geldpolitik. Jetzt stellt Jean-Claude Trichet das für April in Aussicht - wenn auch "nicht sicher". Er benutzt die Schlüsselwörter "große Wachsamkeit", auf die Analysten gewartet hatten und die den Dollar schwächen. von Kai Makus, Hamburg
Die Europäische Zentralbank (EZB) steuert überraschend schnell auf ihre erste Zinserhöhung seit dem Sommer 2008 zu. Wegen des erhöhten Teuerungsdrucks sei "beim nächsten Treffen im April eine Zinserhöhung möglich", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet  am Donnerstag in Frankfurt. "Möglich ja, aber natürlich nicht sicher." Eine Serie von Zinserhöhungen sei jedenfalls nicht zu erwarten, ergänzte er.
Die EZB hatte zuletzt gegen den Trend so gut wie aller anderen Zentralbanken mitten in der schwersten Finanzkrise seit Jahrzehnten im Juli 2008 ihren Leitzins auf damals 4,25 Prozent angehoben. Sie hatte den von vielen scharf kritisierten Schritt damals mit steigenden Rohstoffpreisen begründet.
Kursinformationen und Charts
  Euro 1,24799 USD  [-0.00418 -0,33%
  Brent-Öl 107,62 USD  [0.01 +0,01%
Der Euro  machte während der Pressekonferenz des EZB-Präsidenten einen Sprung nach oben. Die Gemeinschaftswährung kostete zwischenzeitlich 1,3974 Dollar und damit so viel wie seit Oktober vergangenen Jahres nicht mehr. Trichet hatte gesagt, die Zentralbank verfolge die Entwicklung der Teuerung in den 17 Länder der Währungsunion mit "großes Wachsamkeit".
Das war das Schlüsselwort, auf das Experten gewartet hatten: Ihrer Meinung nach erhöht sich damit die Wahrscheinlichkeit, dass die Zinsen im Euro-Raum früher angehoben werden. Eine Zinswende im April wäre weitaus früher, als Experten erwartet hatten: Sie stritten bislang um die Frage, ob der Zinsschritt Ende des dritten oder im vierten Quartal kommen werde.
Infografik - Leitzinsen und Inflation   Infografik - Leitzinsen und Inflation
Zuvor hatte der EZB-Rat mitgeteilt, den Leitzins bei 1,0 Prozent und damit auf einem Rekordtief zu belassen. Dass Trichet dabei nicht wie üblich betonte, das derzeitige Zinsniveau sei angemessen, wurde von Analysten als Zeichen dafür gewertet, dass eine Zinserhöhung unmittelbar bevorstehe - sollte nichts Außergewöhnliches passieren. "Ich nehme Trichet hier wörtlich", sagte Michael Schubert von der Commerzbank. Die Verwendung der Wörter "strong Vigilance" sei bislang "ein klares Zeichen für eine unmittelbar folgende Zinserhöhung gewesen".
"Viel deutlicher geht es ja gar nicht mehr", assistierte Analyst Jens-Oliver Niklasch von der LBBW. Einzig ein "Aufflammen der Euro-Krise in einigen Peripheriestaaten oder Folgen der Unruhen in Nordafrika" würden einen Zinsschritt noch verhindert, glaubt der Experte.

Teil 2: EZB erhöht Inflations- und Wachstumsprognose

  • FTD.de, 03.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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