Unter der totalen Vermögensapokalypse machen es Inflationswarner in Deutschland nicht. Es stimmt zwar, dass die Bundesbank - für viele aus D-Mark-Zeiten der glaubwürdigste Hüter der Preisstabilität - mit einer höheren Inflation in Deutschland rechnet. Das ist aber noch kein Grund zur Panik.
Erstens sind die Euro-Preise selbst nach der prognostizierten leichten Teuerung immer noch so stabil wie zu Zeiten der D-Mark. Zweitens kann sich die deutsche Volkswirtschaft eine gemäßigte Teuerung derzeit leisten. Die Konjunktur ist trotz aller internationalen Widrigkeiten und Risiken so stark, dass moderate Lohnabschlüsse und Rentenanhebungen möglich sind, die eben auch Preissteigerungen zur Folge haben. Selbst CDU-Finanzminister Wolfgang Schäuble hat jüngst höhere Löhne gefordert - obwohl er genau weiß, dass das mittelfristig die Inflation leicht antreiben kann. Aber totale Stabilität der Preise ist nun mal kein Wert an sich.
Dazu kommt: In einer Währungsunion ist es zwar nicht uninteressant, wie sich die Preise einzelner Regionen entwickeln. Für die Europäische Zentralbank aber zählt vor allem der Durchschnittswert für die gesamte Euro-Zone. Dafür hat sie als Zielmarke knapp unter 2,0 Prozent definiert - und die wird wohl eingehalten.
Denn zugleich müssen die südeuropäischen Krisenstaaten derzeit kräftig abwerten und ihre Preise an ihre niedrigere Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit anpassen. Es waren ja auch die enormen Unterschiede zwischen Preisen und Produktivität in den Euro-Mitgliedsstaaten, die letztlich die aktuelle Krise verursacht haben. Nun findet ein überfälliger Anpassungsprozess statt - der für Griechen, Portugiesen oder Spanier weitaus schmerzhafter verläuft als für uns wachstumsverwöhnte Deutsche.
Solange die Gesamtentwicklung in der Euro-Zone also noch unter Kontrolle ist, solange die Lohnforderungen und Preise nicht explodieren und solange Unternehmen wie Verbraucher nicht in Teuerungspanik verfallen - so lange muss Deutschland das Inflationsgerede nicht fürchten.