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Merken   Drucken   09.01.2011, 14:17 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Roubini sieht deutschen Steuerzahler in der Pflicht

Der amerikanische Starökonom meint: Nur deutsches Geld kann die Euro-Krise beenden. Eine Pleitegefahr bestehe für die Bundesrepublik nicht. Den strikten Sparkurs sollte Deutschland seiner Ansicht nach unterbrechen.
Das Schicksal des Euro hängt nach Einschätzung des amerikanischen Starökonomen Nouriel Roubini an der Bereitschaft Deutschlands, mit Steuermitteln den europäischen Nachbarn zu helfen. "Allen Lösungen ist eines gemeinsam: Letztlich wird das Geld des deutschen Steuerzahlers dazu genutzt, die Schuldenkrise in anderen Ländern zu beenden", sagte Roubini dem Hamburger Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" zufolge.
Nouriel Roubini   Nouriel Roubini
"Natürlich kann die EU weiter darauf setzen, dass die Europäische Zentralbank die Drecksarbeit erledigt und Staatsanleihen von Problemstaaten aufkauft. Besser wäre aber, die Politik würde aktiv und vergrößert den Rettungsfonds, führt Euro-Anleihen ein oder meinetwegen einen Europäischen Währungsfonds." Der US-Ökonom war einer der wenigen Wirtschaftswissenschaftler, die die Finanzkrise 2008 vorhergesagt hatten.
Roubini kritisierte außerdem die Europäische Zentralbank (EZB): "Der Sparkurs, die zurückhaltende Geldpolitik der EZB, der gegenwärtig hohe Wert des Euro – all das passt ausgezeichnet für Deutschland und den Kern der EU. Doch was Deutschland nutzt, muss für die Länder am Rande der Gemeinschaft noch lange nicht gut sein."
Die Verschärfung des Euro-Stabilitätspaktes...

 

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Er kritisierte außerdem die starke Exportabhängigkkeit Europas: "Das deutsche Wachstumsmodell funktioniert mittelfristig weder für Deutschland noch für Europa. Deutschlands Wirtschaft hängt zu stark vom Export ab."
Nach Ansicht Roubinis besteht für Deutschland kein Risiko, seine Schulden nicht mehr bedienen zu können. "Deutschland haushaltet sehr diszipliniert, daher gibt es kein Risiko für einen Zahlungsausfall des Landes", sagte er. Allerdings erschwere der strikte Sparkurs die Reformbemühungen der europäischen Krisenländer. "Im europäischen Interesse sollte Deutschland daher alles tun, um das Wachstum zu stärken - im eigenen Land und in Europa. Deutschland sollte seinen strengen Sparkurs aufschieben", sagte der Ökonom.
Der "Spiegel" berichtet unterdessen, Deutschland und Frankreich wollten Portugal drängen, möglichst bald unter den Euro-Rettungsschirm zu schlüpfen. Das finanziell angeschlagene Land werde nicht mehr lange Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen können, vermuten laut "Spiegel" Experten beider Regierungen. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums sagte dazu auf Anfrage in Berlin, die Bundesregierung übe keinen Druck auf Portugal aus. Der portugiesische Ministerpräsident José Sócrates wies die Spekulationen zurück. Er sagte, Portugal werde sein Haushaltsziel erfüllen.
Portugal muss bis Ende Januar mehrere Milliarden neue Schulden am Kapitalmarkt aufnehmen, um auslaufende Staatsanleihen zu refinanzieren. Beobachter befürchten, dass das Land bei den entsprechenden Auktionen sehr hohe Risikoaufschläge zahlen muss. Die Marktrendite zehnjähriger portugiesischer Papiere beträgt derzeit 7,1 Prozent, deutsche rentieren lediglich bei 2,9 Prozent. Bei Anleihen bedeuten hohe Renditen, dass die Kurse entsprechend niedrig notieren.
Auch Belgien war jüngst in den Fokus des Kapitalmarkts geraten, weil das Land sieben Monate nach den Parlamentswahlen nach wie vor keine handlungsfähige Regierung hat. Hintergrund sind Konflikte zwischen den flämischen und wallonischen Bevölkerungsgruppen.
  • dapd, 09.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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