Spaniens Einzelhandel findet wie die gesamte Wirtschaft des Landes derzeit keinen Ausweg aus der Krise: Die Umsätze der Warenhäuser und Boutiquen seien im April um 9,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gesunken, teilte das nationale Statistikamt am Dienstag in Madrid mit. Es war der 22. Rückgang in Folge und zugleich der stärkste seit Beginn der Datenerhebung 2003.
Spaniens Wirtschaft steckt nach dem Platzen der Immobilienblase in der Rezession. Zudem bläst dem Land wegen der Schuldenkrise der Gegenwind hart ins Gesicht: Die Regierung muss den hoch verschuldeten Regionen und dem schwächelnden Bankensektor zur Seite springen. Zuletzt hatte Madrid die Sparkassenholding BFA mit mehreren Milliarden Euro gestützt. Der Aktienkurs der Tochter Bankia brach daraufhin am Montag um bis zu 30 Prozent ein. Am Dienstagvormittag gab er erneut um bis zu fünf Prozent ab und fiel zeitweise unter die Marke von 1,30 Euro . Die schwachen Konsumdaten und die Bankia-Abschläge drückten auch den Leitindex der Madrider Börse ins Minus: Der Ibex 35 fiel zeitweise um 1,4 Prozent, nachdem er zu Handelsbeginn noch leicht im Plus gelegen hatte.
Investoren sorgen sich, dass die neuen Rettungsmilliarden den spanischen Staatshaushalt endgültig aus dem Gleichgewicht bringen. Gemessen an der Gesamtverschuldung steht das südeuropäische Land zwar vergleichsweise gut da. Die Folgen der Immobilienblase sorgen aktuell aber für eine hohe Neuverschuldung. Das führte zuletzt zu Verkäufen von spanischen Staatsanleihen: Die Rendite von Zehnjahrespapieren liegt bereits seit vergangener Woche wieder oberhalb der Marke von sechs Prozent, die Experten für als auf Dauer untragbar halten. Am Dienstag gingen die Verzinsungen zwar leicht zurück, pendelten aber immer noch um die 6,5 Prozent. Bei Anleihen entwickeln sich Kurse und Renditen gegenläufig.
Um die bis zu 19 Mrd. Euro zu stemmen, die Madrid für die Rekapitalisierung von Bankia und der Mutter BFA benötigt, erwägt die Regierung von Premierminister Mariano Rajoy offenbar, neue Schulden aufzunehmen. Die Hilfen für die marode Sparkasse würden in mehreren Tranchen ausgezahlt, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Dafür würden der Banken-Restrukturierungsfonds Frob oder das Budget des Finanzministeriums angezapft.
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Eher unwahrscheinlich sei die Umsetzung des zwischenzeitlich kolportierten Plans, den Staat direkt Anleihen für das Geldhaus aufnehmen zu lassen. Zugleich hieß es, dass Spanien unter Umständen bereit sei, Schulden für die einzelnen autonomen Regionen zu machen. Dafür müssten aber die Regionen unter strikte Haushaltskontrolle gestellt werden. Entsprechende Vorschläge würden am Freitag präsentiert.
Zudem prüft die spanische Sparkasse Ibercaja offenbar einen möglichen Zusammenschluss mit der Liberbank. Der Verwaltungsrat von Ibercaja wolle das Thema am Nachmittag erörtern, sagte eine mit den Überlegungen vertraute Person am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters. Die Gespräche seien aber in einem sehr frühen Stadium. Ibercaja wollte sich nicht dazu äußern. Liberbank war für einen Kommentar zunächst nicht zu erreichen.
Die Bankenbranche in Spanien steckt tief in der Krise. Bislang hat sie die Folgen der geplatzten Immobilienblase nicht in den Griff bekommen. Einige Institute haben sich deshalb bereits zusammengeschlossen - sieben von ihnen etwa zu Bankia.
rtr/mak