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  07.01.2010, 13:00    

Europa in der Krise: Düstere Zeiten für die Euro-Zone

Kommentar Erst die Finanzkrise hat deutlich gemacht, wie sehr einzelne Länder unter Ungleichgewichten innerhalb der Währungsunion leiden. Die Peripherie steckt in einer strukturellen Rezession. von Martin Wolf
Martin Wolf ist FT-Kolumnist.
Was wäre in der Finanzkrise ohne den Euro geschehen? Die kurze Antwort: In einzelnen Mitgliedsstaaten wäre es zu einer Währungskrise gekommen. Die Währungen Griechenlands, Irlands, Italiens, Portugals und Spaniens hätten gegenüber der D-Mark verloren. Genau das wollten die Architekten der Euro-Zone verhindern. Sie hatten Erfolg. Wenn sich aber der Wechselkurs nicht anpassen kann, muss sich etwas anderes anpassen: die Volkswirtschaft der Mitgliedsstaaten an der Peripherie der Euro-Zone. Sie sind gezwungen, ihre Inflation im Vergleich zu Deutschland, dem weltweit führenden Exporteur qualitativ hochwertiger Erzeugnisse, möglichst niedrig zu halten. Ich wünsche ihnen viel Glück.
Martin Wolf ist FT-Kolumnist   Martin Wolf ist FT-Kolumnist
So mancher hielt Leistungsbilanzdefizite innerhalb einer Währungsunion für nebensächlich. Diese Leute liegen falsch. Defizitländer sind Nettoverkäufer von Forderungen an den Rest der Welt. Wenn der Rest der Welt diese Forderungen verkauft oder Kredite zurückzieht, kommt es zur Rezession. Innerhalb eines Landes können Menschen relativ einfach in eine andere Region umsiedeln. Müssen Grenzen überschritten werden, ist das viel schwieriger.
Öffentliche Finanzen leiden
Vor der Krise war in den Randländern die Nachfrage größer als das Angebot, in den Ländern im Zentrum umgekehrt. Da sich die Haushaltslagen ähnelten, musste sich die Privatnachfrage in den einzelnen Ländern unterscheiden: 2006 lagen die Ausgaben des Privatsektors in Griechenland, Irland, Portugal und Spanien weit höher als die Einnahmen. Privathaushalte in Deutschland und den Niederlanden gaben viel weniger aus.
Dann kam der Crash. Unweigerlich traf er die Länder mit den größten Privatsektoren am härtesten. Zwischen 2006 und 2009 verschob sich im Privatsektor Irlands das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben um 16 Prozent des BIP, in Spanien um 15 Prozent und in Griechenland um zehn Prozent. Die Folge war vorhersehbar: eine enorme Verschlechterung der öffentlichen Finanzen. Das unterstreicht einen Aspekt, den Volkswirte nur zögerlich berücksichtigen. Ein Staatshaushalt ist nicht tragfähig, wenn die Finanzierung des Privatsektors nicht tragfähig ist.
In den ersten zehn Jahren nach Einführung des Euro litt die Bonität der Privatsektoren boomender Länder massiv unter den Ungleichgewichten. Nun fügen diese der Bonität des öffentlichen Sektors Schaden zu. Auf den Märkten sind die Risikospreads geschrumpft - mit Ausnahme der Zinsabstände bei Staatsanleihen in der Euro-Zone. So sind die Spreads zu zehnjährigen Bundesanleihen sprunghaft gestiegen, im Fall Griechenlands erreichten sie jüngst 274 Basispunkte.

Teil 2: Eine offene Wirtschaft braucht einen Hegemon

  • Aus der FTD vom 07.01.2010
    © 2010 The Financial Times
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