FTD.de » Politik » Konjunktur » Melvyn Krauss - Die EZB muss die Euro-Zone ins Rollen bringen

Merken   Drucken   05.02.2012, 14:36 Schriftgröße: AAA

Europäische Zentralbank: Melvyn Krauss - Die EZB muss die Euro-Zone ins Rollen bringen

Kommentar Billiges Zentralbankgeld hat die Kreditschleusen vorerst geöffnet. Jetzt müssen langfristige Anleihen attraktiver werden. Der EU-Vertrag macht das riskanter als nötig. von Melvyn Krauss
Melvyn Krauss ist emeritierter Wirtschaftsprofessor der New York University.

EZB-Präsident Mario Draghi wird in Europa immer beliebter - aus gutem Grund. Die unkonventionellen Liquiditätsspritzen der EZB für Privatbanken helfen, eine möglicherweise katastrophale Kreditklemme zu verhindern und die Zinsen bei zweijährigen Staatsanleihen aus Italien und Spanien zu stabilisieren. Das ist ein guter Anfang.
Melvyn Krauss   Melvyn Krauss
Aber es muss klargemacht werden, dass das seinen Preis hat. Diese Art der quantitativen Lockerung füllt die Bilanz der EZB mit Wertpapieren geringer Qualität, und die könnten sowohl der Notenbank als auch den europäischen Steuerzahlern irgendwann noch erheblich schaden. Entscheidend ist, dass Europa es nie so weit kommen lässt.
Die quantitative Lockerung der EZB unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von der amerikanischen Variante. Der EU-Vertrag erlaubt der EZB nicht, direkt Staatsanleihen zu kaufen. Sie umgeht das, indem sie Privatbanken mit billigem Geld ausstattet und sie ermuntert, dieses in Staatsanleihen zu stecken.
EZB-Präsident Mario Draghi   EZB-Präsident Mario Draghi
Weil die Banken aber extrem risikoscheu geworden sind, waren sie nur bereit, kurz laufende Staatsanleihen zu kaufen. Das ist auch der Grund, warum Italiens zweijährige Schuldtitel von der geldpolitischen Lockerung deutlich stärker profitiert haben als die zehnjährigen.
Die Fed hat dieses Problem nicht, denn sie kann selbst Staatsanleihen kaufen und die Laufzeiten frei wählen. Wenn sie zehnjährige kaufen will, dann kauft sie zehnjährige, und wenn sie 30-jährige kaufen will, dann kauft sie eben 30-jährige.

Teil 2: Programm der quantitativen Lockerung

  • FTD.de, 05.02.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 06.02.2012 16:44:09 Uhr   Illoinen: Der Mythos "Staatsschuldenkrise"?

    Die Bekämpfung der eigentlichen Ursache der Krise, also des „Finanzsektors“ verblieb bei Ankündigungen. Im Gegenteil es gehe schon zum zweiten Mal um die Rettung der Banken. Die Weltwirtschaft schlittere in die zehnte große Finanzkrise der letzten dreißig Jahre, ohne dass man bei der Analyse der Ursachen auch nur einen Millimeter weitergekommen wäre.
    Deutschland in völliger Verkennung der Bedingungen in einer Währungsunion sofort nach dem Inkrafttreten der entsprechenden Verträge anfing, das gemeinsam festgelegte Inflationsziel in dem Versuch zu unterlaufen, durch Lohnsenkungen seine Wettbewerbsfähigkeit voll gegen die europäischen Partner auszuspielen, die sich nun nicht länger über die Abwertung ihrer Währungen wehren konnten, war die Währungsunion sozusagen von der ersten Stunde an auf einem Pfad in den Untergang. Solange eine Mehrheit glaubt oder glauben will, das es eine sog. Staatschulden Krise sei, statt einer Finanzkrise, solange wird sich auch nichts ändern. In Deutschland wird nächstes Jahr gewählt, und Deutschland "liebt" unsere Kanzlerin, weil sie wie eine Schwäbische Hausfrau spart. Deutschland hat mit der Agenda 2010 eines der größten Niedriglohnsektoren in Europa aufgebaut, und mit einer Armee von mehr als 5 Millionen Arbeitslose, genug Drohpotential bei den Arbeitslosen aufgebaut, damit auch nur jede Arbeit, egal zu welchem Almosen anzunehmen. Frau Merkel denkt Global, nicht an die Europäischen Nachbarn, sondern orientiert sich an China und Indien und hier liegt ja noch Potential nach unten was die Löhne betrifft. Deutschland entwickelt sich immer mehr zum zweiten China in Europa, und bekanntlich sind dort die Löhne noch niedriger. Deutschland zerstört gerade in Europa den Solidaritätsgedanken. Die Probleme einiger Länder in der EU, wurden verursacht durch die einseitige Export orientiere Politik in Deutschland, dagegen haben die kleinen Nachbarländer keine Chance, weil sie ja nicht mehr abwerten können. Anders als es die Legende besage, habe Deutschland seine Wettbewerbsfähigkeit nicht etwa durch hohe Produktivität, sondern durch eine politisch inszenierte Lohndrückerei gegenüber den Partnern in der Währungsunion verbessert. Solange man aber in Deutschland der Propaganda glaubt, die Ursachen seien die Staatschuldenkrise, solange wird man an der Sparpolitk glauben. Andere Möglichkeiten werden kategorisch ausgeschlossen.

  • 06.02.2012 12:02:45 Uhr   John Doe: Anti-Demokrat wieder am Werk!
  • 05.02.2012 17:48:45 Uhr   wetaskewin: Maastrich-
  • 05.02.2012 15:37:01 Uhr   M.R:: KEine Staatsfinazierung durch die EZB!
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