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06.01.2012, 12:00
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Europäische Zentralbank:
Melvyn Krauss - Draghi wird stärker, die EZB lockerer
Kommentar
Die Europäische Zentralbank entfernt sich immer weiter von den Doktrinen der Bundesbank. Die Wahl des neuen EZB-Chefvolkswirts ist dafür nur ein weiteres Indiz.
von Melvyn Krauss
Melvyn Krauss ist emeritierter Wirtschaftsprofessor der New York University.
Die Deutschen machen sich gern über die Italiener lustig. Als Mario Draghi Kandidat für das Amt des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB) war, porträtierte die "Bild"-Zeitung ihn auf ihrer Titelseite mit einer Pickelhaube. Das ließ den Italiener unterwürfig und lächerlich aussehen.
Melvyn Krauss
Doch nun, da Draghi Europas Zentralbank leitet, ist er derjenige, der über die anderen lachen kann. Der neue EZB-Präsident hat bereits sehr bedeutende Veränderungen vorgenommen, die deutlich machen, dass er Europas Zentralbank dem Einfluss Deutschlands und der Bundesbank entziehen will.
Die überraschende Wahl des Belgiers Peter Praet zum neuen Chefvolkswirt der EZB ist eine Zeitenwende. Zum ersten Mal hat kein Deutscher diesen wichtigen Posten inne. Zuvor saßen zwei ehemalige Bundesbankmitglieder auf diesem Posten - Otmar Issing während der Ära Wim Duisenberg und Jürgen Stark während der Präsidentschaft Jean-Claude Trichets. Dass es nun Praet wurde, ist eine große Sache.
Peter Praet wird neuer Chefvolkswirt der EZB
Doch Draghi hat schon gezeigt, wo es langgeht: Den Banken hat er mehr als 500 Mrd. Euro zu einem Prozent für drei Jahre angeboten anstatt nur für ein oder zwei Jahre. Mancher argumentiert, mit diesem Schritt verlagere sich die EZB von der Liquiditätsstütze für Banken (was im Rahmen des Maastricht-Vertrags in Ordnung ist) zur Solvenzstütze (was nicht in Ordnung wäre). Weder Duisenberg noch Trichet hätten das getan.
Hinzu kommt, dass das ehemalige Mitglied des EZB-Direktoriums, Lorenzo Bini Smaghi, eine quantitative Lockerung der EZB gefordert hat, sollten in Europa Anzeichen einer Deflation sichtbar werden. In einem Abschiedsinterview sagte er: "Ich verstehe diese fast religiösen Diskussionen über eine quantitative Lockerung nicht." Ein deutlicher Seitenhieb gegen die Bundesbank. Da fragt man sich: Ebnete Bini Smaghi den Weg für Draghi, damit dieser umwälzendere Veränderungen bei der EZB vornehmen kann? Veränderungen, die Europas Zentralbank noch weiter vom deutschen Modell wegführt?
Teil 2: "Rettung durch die Hintertür"
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FTD.de, 06.01.2012
© 2012 Financial Times Deutschland,
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