Die Bundesbank hat sich erneut kritisch zum möglichen Ankauf von Staatsanleihen durch die Europäische Zentralbank (EZB) geäußert. "Der Mechanismus von Staatsanleihenkäufen ist problematisch zu sehen, weil dadurch falsche Anreize gesetzt werden", sagte ein Sprecher der Bundesbank am Freitag in Frankfurt. Er reagierte damit auf Äußerungen von EZB-Präsident Mario Draghi vom Donnerstag. Er hatte in London gesagt, die Zentralbank werde innerhalb ihres Mandats "alles Erforderliche" tun, um den Euro zu erhalten. Er fügte hinzu: "Und glauben Sie mir, das wird ausreichen."
Ein mögliches Instrument ist der Aufkauf von Staatsanleihen von Krisenstaaten, das die EZB bereits umfassend genutzt hat. Allerdings ruht das Programm seit mehreren Wochen. Sie darf sich allerdings nur am Sekundärmarkt bedienen, wo bereits ausgegebene Bonds gehandelt werden: Bei der Auktionierung neuer Papiere - am Primärmarkt - zuzuschlagen ist der Notenbank untersagt. Hintergrund ist die Untersagung der direkten Staatsfinanzierung durch die unabhängige Zentralbank im Euro-System.
Weil die Zinsen vor allem für Italien und Spanien am Sekundärmarkt inzwischen aber erneut Rekordhöhen erreicht hatten, werden die Rufe lauter, die EZB solle wieder aktiv werden. Draghis Andeutung, die Bondkäufe im Notfall wieder aufzunehmen, hatten die Renditen allerdings deutlich gedrückt. Für zehnjährige spanische Papiere fiel die durchschnittliche Verzinsung für solche Laufzeiten von über 7,75 Prozent am Mittwoch auf einen Wert von zeitweise unter 6,8 Prozent am Freitag. Die Rendite ihrer italienischen Pendants ging von zeitweise 6,7 Prozent auf bis zu 5,942 Prozent am Freitagvormittag zurück.
Das spiegelt die Rückkehr der Investoren zu den Papieren wider, denn bei Anleihen entwickeln sich Kurse und Renditen gegenläufig. Zugleich stießen Anleger die als sicherer Hafen gesuchten deutschen Staatsanleihen ab: Zehnjährige Papiere verzinsten sich am Freitagmorgen mit bis zu 1,366 Prozent, nachdem sie noch am Mittwoch bei 1,222 Prozent und damit in der Nähe eines Rekordtiefs rentiert hatten. Dennoch ist die Zinslast für die unter der geplatzten Immobilienblase und Rezession leidenden Mittelmeeranrainer nur schwer zu tragen - unter Experten gilt ein Wert von sieben Prozent auf Dauer als kritisch.
Auch konnte sich Italien sich zum Wochenschluss etwas günstiger refinanzieren, das Zinsniveau blieb dennoch hoch. Bei einer Versteigerung frischer Geldmarktpapiere mit sechsmonatiger Laufzeit sammelte die drittgrößte Volkswirtschaft der Euro -Zone wie geplant 8,5 Mrd. Euro ein. Die Zinsen sanken nach Angaben des italienischen Schatzamts gegenüber der letzten vergleichbaren Auktion am 27. Juni von 2,96 auf 2,45 Prozent. Die Nachfrage sei zudem unverändert hoch geblieben und hätte ausgereicht, um das 1,6-Fache der Papiere am Markt unterzubringen, hieß es. Dennoch müssen die Italiener weitaus günstigere Konditionen für Anleger bieten als etwa die Bundesrepublik, die am Donnerstag eine Anleihe mit 30-jähriger Laufzeit zu einer Verzinsung von 2,17 Prozent losschlug - und damit für diesen langen Zeitraum weniger bieten musste als Italien für ein halbes Jahr.
Der Bundesbank-Sprecher wandte sich zudem gegen die neuerliche Forderung, den Rettungsschirm EFSF mit einer Banklizenz auszustatten. Das wäre faktisch eine Staatsfinanzierung durch die Notenpresse und "ein fataler Weg", sagte er. Die bereits früher debattierten Pläne hatte das österreichische Mitglied im EZB-Rat, Ewald Nowotny, am Donnerstag erneut ventiliert. Weniger kritisch wertete es die Bundesbank, wenn die EFSF Staatsanleihen von Schuldenländern aufkaufen würde, weil es kein direktes Eingreifen der EZB darstelle.
mit Agenturen