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  24.11.2009, 21:51    

Federal Reserve: Bernanke hält lockeren Kurs

Die US-Notenbank hat ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft zum Teil nochmals angehoben - zugleich erwartet sie aber bis ins Jahr 2012 eine hohe Arbeitslosigkeit. von Mark Schrörs  Frankfurt
Ben Bernanke   Ben Bernanke
Laut dem Protokoll der Sitzung vom 3. und 4. November prognostizieren die Währungshüter für 2010 ein Wachstum von 2,5 bis 3,5 Prozent. Für 2011 erwarten sie 3,4 bis 4,5 Prozent und für 2012 3,5 bis 4,8 Prozent.
Die Arbeitslosenquote sehen sie trotz einer leichten Abwärtsrevision nächstes Jahr bei 9,3 bis 9,7 Prozent und in den folgenden Jahren noch bei 8,2 bis 8,6 Prozent sowie 6,8 bis 7,5 Prozent. Inoffiziell hält die Fed, die neben Preisstabilität auch das Ziel einer hohen Beschäftigung hat, eine Quote von rund 5,0 Prozent für nachhaltig.
Die Prognosen legen damit nahe, dass die Fed nicht vor einem zügigen Ausstieg aus ihrer ultralockeren Geldpolitik steht. Im Kampf gegen die globale Finanz- und Wirtschaftskrise hat sie ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0 bis 0,25 Prozent gesenkt. Zudem pumpt sie Tausende Milliarden Dollar in die Wirtschaft.
Wenngleich die Fed so mitgeholfen hat, eine Depression zu verhindern, hat zuletzt die Debatte um ihren Kurs zugenommen: Neben der Sorge vor einer künftig zu hohen Inflation wächst vor allem die Furcht, dass die Fed die Basis für neue Finanzexzesse und die nächste Krise legt. Hintergrund ist, dass sich Investoren verstärkt billig in Dollar verschulden und das Geld andernorts höherrentierlich anlegen. Zudem gibt es die Sorge, dass die aktuelle Schwäche des Dollar in eine gefährliche Dollar-Krise mündet.
Besondere Bedeutung kommt dem Fed-Kurs zudem zu, weil er großen Einfluss auf die anderen führenden Notenbanken wie etwa die Europäische Zentralbank (EZB) hat. Straffen sie ihre Politik früher und stärker als die Fed, drohen vor allem starke Aufwertungen ihrer Währungen - die wiederum die aktuellen Erholungen gefährden.
Die Fed begründet ihren Kurs vor allem damit, dass trotz der Wirtschaftserholung zunächst die Arbeitslosigkeit weiter steigt - zuletzt im Oktober auf 10,2 Prozent. Laut Protokoll waren die meisten Notenbanker der Ansicht, dass es fünf bis sechs Jahre dauern werde, bis die US-Wirtschaft wieder in einer Art Normalzustand ist.
Im Juni hatte die Fed für das nächste Jahr ein Wachstum von 2,1 bis 3,3 Prozent und für 2011 von 3,8 bis 4,6 Prozent vorhergesagt. Ihre Prognosen für die Arbeitslosenquote lagen damals bei 9,5 bis 9,8 Prozent für 2010 und 8,4 bis 8,8 Prozent für 2011. Für dieses Jahr erwartet sie nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 bis 0,4 Prozent. Im Juni hatte sie mit einem Minus von 1,0 bis 1,5 Prozent gerechnet.
Spielraum für ein lockere Geldpolitik sieht die Fed auch, weil sie die Inflation unter Kontrolle wähnt. Laut Protokoll erwartet sie die Teuerung gemessen an ihrem bevorzugten Maß - dem PCE-Deflator - 2010 bei 1,3 bis 1,6 Prozent, 2011 bei 1,0 bis 1,9 Prozent und 2012 bei 1,2 bis 1,9 Prozent. Inoffiziell strebt sie 1,7 bis 2,0 Prozent an.
Laut Protokoll warnten einige Notenbanker zwar, dass ein zu langes Festhalten am sehr niedrigen Zins "negative Nebeneffekte" haben könne - vor allem "exzessive" Spekulationen an den Finanzmärkten und steigende Inflationserwartungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, sei aber "relativ gering". Die jüngste Dollar-Abwertung bezeichneten sie als "geordnet". Sowohl die Risiken als auch den Dollar will die Fed aber genau im Blick behalten.
Kursinformationen und Charts
  Dollar 0,729554 EUR  [-0.002832 -0,39%
Indirekt Unterstützung erhält die Fed vom Internationalen Währungsfonds. IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn sagte vergangene Woche, Regierungen und Notenbanken sollten ihre Hilfen für Banken und die Wirtschaft lieber zu spät als zu früh beenden, um die Erholung abzusichern.
EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi sagte dagegen vergangenen Freitag, dieser Ansatz habe in der Vergangenheit oft die Grundlage für spätere Krisen gelegt. Die Märkte spekulieren, dass die EZB eher als die Fed den Exit wagt - weswegen der Euro weiter bei der 1,50-$-Marke liegt.
Großbritanniens Notenbankchef Mervyn King sagte am Dienstag bei einer Anhörung vor dem Parlament, die Wirtschaft des Landes stehe trotz Signalen für eine Erholung weiter vor "enormen Herausforderungen". Das schürte Spekulationen, dass auch die Bank of England noch lange am lockeren geldpolitischen Kurs festhält.
17:48:00 Kursinformationen und Charts
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Dollar 0,729554 EUR   -0,39%  -0.002832
  • Aus der FTD vom 25.11.2009
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