Wenngleich die Fed so mitgeholfen hat, eine Depression zu verhindern, hat zuletzt die Debatte um ihren Kurs zugenommen: Neben der Sorge vor einer künftig zu hohen Inflation wächst vor allem die Furcht, dass die Fed die Basis für neue Finanzexzesse und die nächste Krise legt. Hintergrund ist, dass sich Investoren verstärkt billig in Dollar verschulden und das Geld andernorts höherrentierlich anlegen. Zudem gibt es die Sorge, dass die aktuelle Schwäche des Dollar in eine gefährliche Dollar-Krise mündet.
Besondere Bedeutung kommt dem Fed-Kurs zudem zu, weil er großen Einfluss auf die anderen führenden Notenbanken wie etwa die Europäische Zentralbank (EZB) hat. Straffen sie ihre Politik früher und stärker als die Fed, drohen vor allem starke Aufwertungen ihrer Währungen - die wiederum die aktuellen Erholungen gefährden.
Die Fed begründet ihren Kurs vor allem damit, dass trotz der Wirtschaftserholung zunächst die Arbeitslosigkeit weiter steigt - zuletzt im Oktober auf 10,2 Prozent. Laut Protokoll waren die meisten Notenbanker der Ansicht, dass es fünf bis sechs Jahre dauern werde, bis die US-Wirtschaft wieder in einer Art Normalzustand ist.
Im Juni hatte die Fed für das nächste Jahr ein Wachstum von 2,1 bis 3,3 Prozent und für 2011 von 3,8 bis 4,6 Prozent vorhergesagt. Ihre Prognosen für die Arbeitslosenquote lagen damals bei 9,5 bis 9,8 Prozent für 2010 und 8,4 bis 8,8 Prozent für 2011. Für dieses Jahr erwartet sie nun einen Rückgang der Wirtschaftsleistung um 0,1 bis 0,4 Prozent. Im Juni hatte sie mit einem Minus von 1,0 bis 1,5 Prozent gerechnet.
Spielraum für ein lockere Geldpolitik sieht die Fed auch, weil sie die Inflation unter Kontrolle wähnt. Laut Protokoll erwartet sie die Teuerung gemessen an ihrem bevorzugten Maß - dem PCE-Deflator - 2010 bei 1,3 bis 1,6 Prozent, 2011 bei 1,0 bis 1,9 Prozent und 2012 bei 1,2 bis 1,9 Prozent. Inoffiziell strebt sie 1,7 bis 2,0 Prozent an.
Laut Protokoll warnten einige Notenbanker zwar, dass ein zu langes Festhalten am sehr niedrigen Zins "negative Nebeneffekte" haben könne - vor allem "exzessive" Spekulationen an den Finanzmärkten und steigende Inflationserwartungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dazu kommt, sei aber "relativ gering". Die jüngste Dollar-Abwertung bezeichneten sie als "geordnet". Sowohl die Risiken als auch den Dollar will die Fed aber genau im Blick behalten.