Die mögliche Reaktion der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) auf die anhaltende Wachstumsschwäche hält die Finanzmärkte im Bann. Am Donnerstag überwog die Überzeugung, dass eine weitere Runde der geldpolitischen Lockerung (Quantitative Easing, QE) bevorsteht.
Doch gerade die US-Notenbank könnte anders als ihre Pendants in Frankfurt und Peking ohne Gelddruckmaschine auskommen - was den Dollar stärken würde. Zum einen ist es kaum vorstellbar, dass sich die Fed in heiße Phase des Wahlkampfes einmischt. Im November wird der US-Präsident gewählt, Stimuli könnten als Unterstützung von Amtsinhaber Barack Obama gewertet werden. Vor allem fielen aber seit der Sitzung des Offenmarktausschusses (FOMC) eine Reihe von Konjunkturdaten besser aus als erwartet.
So hatte der Einzelhandel sich im Juli ordentlich belebt. "Die jüngsten Datenveröffentlichungen sprechen eigentlich eine gegenteilige Sprache und stützen ,einige' der FOMC-Mitglieder, denen zusätzliche Wertpapierkäufe der Fed Sorgen bereiten in Zeiten, in denen die US-Geldpolitik den Weg der Normalisierung einschlagen sollte", heißt es in einem Marktkommentar der Commerzbank. "Dennoch ist fraglich, ob die besseren Daten in den Augen der ‚vielen' ausreichen werden, um eine "kräftige und nachhaltige Stärkung der wirtschaftlichen Erholung" zu signalisieren, die QE3 noch verhindern könnte."
Eine neue geldpolitische Lockerung wäre die dritte Runde seit dem Ausbruch der Finanzkrise in den USA, weshalb an den Märkten das Kürzel QE3 für diese Erwartungshaltung steht. Die Aussicht auf noch mehr billiges Notenbankgeld belastete den Dollar und half zunächst den Aktienmärkten nach oben. "Wenn der nächste Arbeitsmarktbericht nicht überraschend gut ausfällt, wird es wohl im nächsten Monat irgendeine geldpolitische Lockerung geben", brachte Ayako Sera, Volkswirt bei der Sumitomo Mitsui Trust Bank in Japan, die Marktstimmung auf den Punkt.
"Ziemlich bald" sind die beiden Worte aus dem Protokoll der jüngsten Sitzung des Fed-Offenmarktausschusses, welche Investoren elektrisierte "Viele Mitglieder waren der Ansicht, dass eine zusätzliche monetäre Lockerung wahrscheinlich ziemlich bald angebracht sein wird, falls nicht neue Informationen auf eine substanzielle und nachhaltige Beschleunigung der wirtschaftlichen Erholung hinweisen", heißt es in dem am Mittwochabend (europäischer Zeit) veröffentlichten Protokoll von der Sitzung vom 31. Juli bis zum 1. August. Die Währungspolitiker sprachen von einer ganzen Reihe von Gefahren, der die ohnehin lahme Wirtschaft ausgesetzt ist - etwa die europäische Schuldenkrise. Viele Ausschussmitglieder plädieren deshalb dafür, den Finanzmärkten die Fortsetzung der Nullzinspolitik über den bisher genannten Zeitpunkt Ende 2014 hinaus zuzusagen. "Während sich keiner der geldpolitischen Entscheidungsträger seinerzeit Sorgen um Inflation machte, sahen viele Mitglieder die steigende Notwendigkeit einer baldigen zusätzlichen geldpolitischen Stimulierung", kommentiert UniCredit-Währungsstratege Armin Mekelburg.
Die Aussicht auf zusätzliche Liquidität belastete insbesondere den Dollar, weil dies die Geldmenge in den USA weiter aufblähen würde. Der Euro baut am Donnerstag seine Gewinne vom Vorabend aus und legte um 0,4 Prozent auf 1,2572 Dollar zu - der höchste Stand seit Anfang Juli. Vom schwächeren Dollar profitierte der Goldpreis . Die Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um 0,5 Prozent auf 1663 Dollar. Die Fed gab zunächst auch den Aktienmärkten in Asien einen Kick. Der Tokioter Leitindex Nikkei schloss 0,5 Prozent fester, die Börse in Hongkong gewann 1,2 Prozent. Auch in Europa verbuchten die Aktienmärkte im frühen Geschäft Kursgewinne, notierten dann jedoch weitgehend unverändert.
Der DAX lag am späten Morgen bei 7023 Punkten. Händler machten dafür Konjunkturdaten aus China verantwortlich. Dort schwächt sich die Konjunktur derzeit auf das niedrigste Niveau seit rund zehn Jahren ab. Der vorläufige HSBC-Einkaufsmanagerindex für China blieb im August deutlich unterhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Die Daten nährten Sorgen, die Schwäche gehe bis weit ins dritte Quartal hinein. Optimisten verweisen allerdings darauf, dass die Notenbank in Peking mit einer lockereren Geldpolitik gegensteuern wird.
Auch von der Europäische Zentralbank wird Unterstützung erwartet, seitdem deren Präsident die kompromisslose Verteidigung des Euro unter allen Umständen angekündigt hatte.
Mit Reuters