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Merken   Drucken   10.05.2012, 18:24 Schriftgröße: AAA

Finanzmärkte: S&P warnt vor "Sturm an den Kreditmärkten"

Angesichts der Krise in der Euro-Zone und vager Konjunkturaussichten in den USA und China wird es für Unternehmen zunehmend schwerer, Geld zu beschaffen. Die Ratingagentur Standard & Poor´s erwartet einen Sturm an den globalen Kreditmärkten.

Unternehmen auf der ganzen Welt müssen sich nach Ansicht der Ratingagentur Standard & Poor's darauf einstellen, dass sie künftig schwerer an frisches Geld herankommen. Zum einen würden sich die Banken unter dem Druck strengerer Vorschriften aus manchen Geschäften zurückziehen, zum anderen würden Investoren risikoscheuer, sagte S&P-Experte Jayan Dhru am Donnerstag bei der Vorlage eines entsprechenden Berichts.

"In Kombination mit der Krise in der Euro-Zone, der langsamen wirtschaftlichen Erholung in den USA und den Aussichten auf eine sich verlangsamende Konjunktur in China könnte daraus ein echter Sturm an den globalen Kreditmärkten erwachsen", warnte Dhru. Das wäre die gefürchtete Kreditklemme. Diesen Begriff vermied Dhru jedoch und sprach stattdessen von einer "Kreditrationierung aufseiten der Banken".

Nach Berechnungen von S&P brauchen Unternehmen in der Eurozone, Großbritannien, den USA, China und Japan in den kommenden fünf Jahren 43.000 bis 46.000 Mrd. US-Dollar Euro  an frischem Geld. Alleine 30.000 Mrd. Dollar seien nötig, um bestehende Finanzierungen zu erneuern. Die restlichen 13.000 bis 16.000 Mrd. Dollar würden zur Finanzierung von Wachstum benötigt.

Im Großen und Ganzen seien die Banken und Kapitalmärkte in der Lage, ausreichend Liquidität "für die meisten Unternehmen" zur Verfügung zu stellen, schrieb S&P. Umgekehrt würde dies bedeuten: Einige andere Unternehmen bekämen keinen Kredit. "Bestehende Anfälligkeiten könnten sich verschärfen oder neue hinzukommen", sagte Dhru. "Das Szenario eines perfekten Sturms würde wahrscheinlich zu Finanzierungsstörungen selbst bei weniger hoch verschuldeten Schuldnern führen."

Seiner Ansicht nach haben die Staaten kaum Eingriffsmöglichkeiten. "Regierungen und Zentralbanken verfügen über weniger fiskalische und monetäre Flexibilität, um ernsten Problemen vorzubeugen, die sich aus künftigen Marktstörungen ergeben können." Durch Konjunkturprogramme wie in den USA und günstiges Zentralbank-Geld sind die Märkte seit dem Hochkochen der Finanzkrise regelrecht geflutet worden. Das wiederum führte zu einer hohen Staatsverschuldung und Sparzwängen.

  • FTD.de, 10.05.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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