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Merken   Drucken   03.10.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Finanzpolitik: Sparen heißt schmarotzen  

Kommentar Die Krise hat Deutschland wohl noch nicht hart genug getroffen, um das Land von seiner europafeindlichen Sparobsession abzubringen. von Jörg Bibow
Jörg Bibow ist Ökonomieprofessor am Skidmore College im US-Bundesstaat New York.
Berlin hat vor Kurzem ein Hoffnungssignal gesendet: Angela Merkel hat versprochen, die Einkommensteuer für alle Steuerzahler zu senken. Sie argumentiert, dass nur erhebliche Steuerentlastungen eine rasche Rückkehr zum Wachstum gewährleisten. Dieses ist aber nötig, um das Haushaltsdefizit Deutschlands wieder unter Kontrolle zu bringen.
Noch ist fraglich, ob die Äußerungen der wiedergewählten Kanzlerin die Koalitionsverhandlungen überleben werden, denn Steuersenkungen würden die Politikweisheiten Deutschlands der vergangenen Jahrzehnte auf den Kopf stellen. Es ist fast so, als lobe und übernehme Merkel verspätet das Versprechen, das Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy im Juni in seiner Rede vor dem Parlament gegeben hat - nämlich, dass er keine Politik der Spar- und Enthaltsamkeit will.
Seit das deutsche Haushaltsdefizit 1991 fast drei Prozent des BIPs erreichte, hat das Erreichen eines ausgeglichenen Haushalts für Bundesfinanzminister oberste Priorität. Außer während kurzzeitiger Exportbooms hat sich das Defizit in all den Jahren nie weit von den drei Prozent des BIPs entfernt. Zugleich verringerte sich das Wachstum des nominalen BIPs tendenziell auf gerade mal zwei Prozent, die Nettostaatsverschuldung schnellte um rund 40 Prozent des BIPs nach oben. Real hat Deutschland im Vergleich zu anderen reichen Industrienationen erhebliche Rückschritte gemacht. Kurz gesagt, Sparsamkeit hat die Volkswirtschaft belastet, nicht das Defizit verringert.

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  • FTD.de, 03.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 06.10.2009 19:48:07 Uhr   Matthias: Oh Mann

    Einer der Vorredner machte den Kommentar:
    "Eine ausgeglichene Exportbilanz muss das Ziel sein. Denn unsere Überschüsse sind immer die Schulden der anderen. Denn in der Summe muss die Bilanzsumme Null sein auf der Welt". Interessante These. Wir sollen also alle zurueck zu einem ausgeglichenen Verhaeltnis. Wer eigentlich? Die Bundesrepublik oder die EU oder besser einzelne deutsche Bundeslaender, oder der einzelne Buerger? Ich halte das Vorgehen des Professors hier fuer willkuerlich. Ich frage mich auch, warum der Herr Professor nicht staerker die Chinesen in die Pflicht nimmt. Dieses Land finanziert doch das Defizit der USA. Mich wuerde auch interessieren, wie ein Land wie China mehr Ware aus den USA kaufen soll? Soviel gibt es da gar nicht zu kaufen mit "Made in USA".
    Auch der Gedanke, dass in diesem System jemand eingreifen soll und Laender zu mehr Schulden verdonnert, weil andere auch mehr Schulden machen, ist doch mehr als schraeg.

  • 05.10.2009 16:23:56 Uhr   Strichnid: Treffende Analyse
  • 05.10.2009 12:56:53 Uhr   Jason: Markt und Markt
  • 05.10.2009 10:02:46 Uhr   chriwi: Oh Mann
  • 04.10.2009 17:58:55 Uhr   gojko: haushalten ist besser
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