Der Aufschwung im zweiten Halbjahr kommt rascher und wird kräftiger ausfallen als bisher erwartet. Dies erklärten die Industrieländerorganisation OECD und führende europäische Wirtschaftsforschungsinstitute am Donnerstag. In Europa könne vor allem Deutschland in der zweiten Jahreshälfte wieder mit starkem Wirtschaftswachstum rechnen, sagte OECD-Chefökonom Jörgen Elmeskov in Paris. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde daher 2009 nur um 4,8 Prozent schrumpfen. Bisher hatte die OECD ein Minus von 6,1 Prozent erwartet.
Auch die Forschungsinstitute der Euroframe-Gruppe, die einmal monatlich exklusiv für die FTD eine BIP-Prognose für die Euro-Zone in den kommenden Monaten abgeben, sehen eine spürbare Trendwende im dritten Quartal voraus. Im zweiten Halbjahr insgesamt werde die Wirtschaft der Euro-Zone auf das Jahr hochgerechnet wieder um zwei Prozent wachsen, erklärte Joachim Scheide vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW).
Getragen werde der Aufschwung vor allem vom raschen Wiederaufbau der Lager der Unternehmen, die ihre Bestände in den vergangenen Monaten schneller als bisher vorausgesehen abgebaut hätten, hieß es bei der OECD und den Euroframe-Instituten.
Zudem hätten sich die Bedingungen auf den Finanzmärkten seit dem Frühjahr verbessert, sagte Elmeskov. Die Banken würden sich mittlerweile untereinander wieder Geld zu Konditionen ausleihen wie vor Krisenbeginn im letzten Herbst. So sei der Geldkreislauf wieder in Gang gekommen. Auch habe sich der Welthandel nach der Schockstarre des Winterhalbjahrs im Sommer wieder stabilisiert. Viele Länder verbuchten aus dem Ausland wieder höhere Auftragseingänge.