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Merken   Drucken   27.10.2011, 21:40 Schriftgröße: AAA

FTD-Konjunkturschattenrat: EU-Gipfel senkt Rezessionsgefahr

Bis in die Nacht redeten sich Vertreter von Staaten und Banken die Köpfe heiß über die Rettung des Euro. Ihre Ergebnisse ihrer Verhandlungen werden der Wirtschaft helfen, meinen Vertreter des FTD-Konjunkturschattenrats. von Martin Kaelble, Berlin
Führende Konjunkturexperten glauben, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels die Gefahren für die Euro-Wirtschaft reduziert haben. Das ergab eine Blitzumfrage im FTD-Schattenrat, dem deutsche Chefvolkswirte aus Banken und Instituten angehören. Über 80 Prozent der Ökonomen glauben, dass durch die Gipfelbeschlüsse das Risiko einer scharfen Rezession gesunken ist. Die Gefahr einer kleinen Rezession bleibt jedoch beträchtlich.
In der Nacht zu Mittwoch hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel ihren Plan zur Lösung der Schuldenkrise präsentiert: ein Schuldenerlass privater Gläubiger für Griechenland von 50 Prozent, eine Rekapitalisierung der Banken und ein Hebel zur Vergrößerung des Rettungsschirms EFSF.
"Die Beschlüsse haben das Risiko eines Lehman-II-Ereignisses deutlich reduziert", sagte Carsten-Patrick Meier, Chef der Researchfirma Kiel Economics. Die Gefahr einer "technischen Rezession" in der Euro-Zone - mit zwei Quartalen Schrumpfung der Wirtschaftsleistung - bleibt nach Ansicht der Schattenräte aber bestehen. Am Donnerstag signalisierten neue Konjunkturdaten eine weitere Abschwächung des Vertrauens von europäischen Firmen und Verbrauchern. Der Stimmungsindikator der EU-Kommission fiel um 0,2 auf 94,8 Punkte. Immerhin verlangsamte sich damit der rasante Absturz des Indikators. Laut Umfrage ist eine Rezession in Europa wahrscheinlicher als in den USA. Dort schätzen die Ökonomen die Wahrscheinlichkeit auf 25 Prozent.
Deutschland dürfte bei der Abschwächung derweil besser wegkommen als andere in Europa. Die Wahrscheinlichkeit einer Rezession wird auf rund ein Drittel geschätzt. Besondere Sorgen machen sich die Volkswirte dagegen um Italien. Viele fürchten, dass das Land in einen ähnlichen Teufelskreis wie Griechenland geraten könnte. Dort verstärken sich Rezession und restriktive Finanzpolitik gegenseitig. Die Wahrscheinlichkeit dieses Schicksals für Italien schätzen die Experten auf rund 45 Prozent.
Hauptursache für den aktuellen Konjunktureinbruch ist aus Sicht der Volkswirte die Schuldenkrise: Insbesondere die daraus entstandene Unsicherheit für die Firmen sowie die Verschärfung der Konsolidierungsmaßnahmen in größeren Euro-Ländern werden als Hauptgründe betrachtet.
Damit das Risiko einer tieferen Rezession weiter spürbar verringert wird, fordern knapp 40 Prozent der Befragten eine Garantie der Staatsschulden aller gefährdeten Länder durch EFSF oder Europäische Zentralbank (EZB). Ebenso viele fordern eine Lockerung der Konsolidierungsprogramme. "Ohne Frage besteht in vielen Ländern ein Anpassungsbedarf in den öffentlichen Haushalten", sagte David Milleker, Chefökonom von Union Investment. Die Zeitpläne dafür seien aber zu ambitioniert. Über die Hälfte der Topökonomen fordern zudem, dass die EZB ihren Zins noch 2011 senkt. Rund ein Drittel fordert dies gar für die nächste EZB-Sitzung.
Gefahren verringert, aber nicht verschwunden
Umfrage im FTD-Konjunkturschattenrat vom 26. bis 27. Oktober 2011 unter 14 Teilnehmern
"Was müsste geschehen, um das Risiko einer tieferen Rezession ...   "Was müsste geschehen, um das Risiko einer tieferen Rezession spürbar zu verringern?"
Die EU-Beschlüsse sorgen nach Ansicht der Schattenräte für Entspannung in der Euro-Konjunktur. Doch sie fordern weitere Maßnahmen, um das Risiko einer schweren Rezession zu senken.
"Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in naher ...   "Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in naher Zukunft?"
Die Gefahr einer kleineren Rezession in Europa ist aber nicht gebannt. Zumindest die deutsche Wirtschaft halten die Ökonomen jedoch für robuster als andere Teile der Euro-Zone.
"Wie lautet Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in ...   "Wie lautet Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland?"
In diesem Jahr rechnen die Topökonomen im Schnitt noch mit einem Wachstum in Deutschland von drei Prozent. 2012 erwarten sie eine Verlangsamung auf 0,9 Prozent. Im September gingen sie noch von 2,9 beziehungsweise 1,1 Prozent aus.
Expertenkreis Die FTD befragt monatlich die besten deutschen Konjunkturexperten zur aktuellen Entwicklung. An der Oktoberumfrage nahmen teil:llen Entwicklung. Von den 20 Chefökonomen und Konjunkturchefs aus den führenden Instituten und Banken nahmen an der Septemberumfrage teil:
 
Uwe Angenendt, BHF-Bank
Stefan Bielmeier, DZ Bank
Roland Döhrn, RWI Essen
Gustav Horn, IMK
Carsten Klude, M.M. Warburg
Jörg Krämer, Commerzbank
Udo Ludwig, IWH
C.-P. Meier, Kiel Economics
Torge Middendorf, WestLB
David Milleker, Union Investment
Andreas Rees, Unicredit
Bert Rürup, Maschmeyer Rürup
Joachim Scheide, IfW Kiel
Christian Schulz, Berenberg
  • FTD.de, 27.10.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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