Führende Konjunkturexperten glauben, dass die Beschlüsse des EU-Gipfels die Gefahren für die Euro-Wirtschaft reduziert haben. Das ergab eine Blitzumfrage im FTD-Schattenrat, dem deutsche Chefvolkswirte aus Banken und Instituten angehören. Über 80 Prozent der Ökonomen glauben, dass durch die Gipfelbeschlüsse das Risiko einer scharfen Rezession gesunken ist. Die Gefahr einer kleinen Rezession bleibt jedoch beträchtlich.
In der Nacht zu Mittwoch hatten die europäischen Staats- und Regierungschefs in Brüssel ihren Plan zur Lösung der Schuldenkrise präsentiert: ein Schuldenerlass privater Gläubiger für Griechenland von 50 Prozent, eine Rekapitalisierung der Banken und ein Hebel zur Vergrößerung des Rettungsschirms EFSF.
"Die Beschlüsse haben das Risiko eines Lehman-II-Ereignisses deutlich reduziert", sagte Carsten-Patrick Meier, Chef der Researchfirma Kiel Economics. Die Gefahr einer "technischen Rezession" in der Euro-Zone - mit zwei Quartalen Schrumpfung der Wirtschaftsleistung - bleibt nach Ansicht der Schattenräte aber bestehen. Am Donnerstag signalisierten neue Konjunkturdaten eine weitere Abschwächung des Vertrauens von europäischen Firmen und Verbrauchern. Der Stimmungsindikator der EU-Kommission fiel um 0,2 auf 94,8 Punkte. Immerhin verlangsamte sich damit der rasante Absturz des Indikators. Laut Umfrage ist eine Rezession in Europa wahrscheinlicher als in den USA. Dort schätzen die Ökonomen die Wahrscheinlichkeit auf 25 Prozent.