Teil 2: Unser Geld, euer Problem
Sehr geehrter Herr Wolf, die lehrbuchartigen Anpassungsmechanismen (ja, mit negativen Auswirkungen auf "Schwellenländer") würden unter "normalen" Umständen greifen, doch die jetzige Transitionsphase ist alles andere als normal. Die Dollarschwemme überlagert nämlich alles: einerseits ist der Dollar immer noch Transaktions- und Reserveleitwährung, andererseits trauen immer weniger Akteure seiner Werthaltigkeit und wollen möglichst wenig davon halten. Ausser China. Scheinbar. Sie schreiben: " Wenn jeder auf Kosten des Nachbarn lebt, kann das nicht gut enden." Nun, bisher hat die USA auf Kosten Chinas gelebt, denn die Chinesen haben gearbeitet und die Amerikaner konsumiert. Die dabei von China angehäuften Dollarreserven sind einerseits ein Problem der Chinesen (wie ohne massiven Wertverlust ausgeben?) aber andererseits eine starke politische Waffe (wenn wir wollen, lassen wir das dollarbasierte globale Finanzsystem über Nacht einstürzen). Die Chinesen können es sich leisten, bei der "Bereinigung" dieser Situation ihren eigenen Masterplan zu verfolgen und eigene Zeitpläne vorzugeben. Wer Waren aus China importiert, wird bestätigen können, daß die Preise in den letzten Jahren kontinuierlich steigen - aber immer nur soviel, daß deren Wettbewerbsfähigkeit erhalten bleibt. Gleichzeitig bemühen sich die Chinesen, immer mehr an Technologie und Wertschöpfung in ihr eigenes Land zu holen, was langfristig einen starken Binnenmarkt schaffen wird. Am Ende dieses "langen Marsches" könnte die USA deindustrialisiert, überschuldet und ohne Leitwärung (Seignorage) dastehen. Den ersten Schritt zur Heilung der Lage muss also nicht China tun, sondern die Amerikaner. Sie müssen aufhören, mehr zu konsumieren, als sie erarbeiten (Handelsbilanzdefizit) und Kriege zu führen, die sie nicht bezahlen können (Haushaltsdefizit). Um diese bittere Medizin kommen sie nicht herum und je länger sie es mit fragwürdigen Manövern hinauszögern, um so schlimmer wird es werden. (Auch) China sei Dank!