In den wichtigen Schwellenländern Asiens bahnt sich eine Erholung der angeschlagenen Konjunktur an. Darauf deuten sowohl viel beachtete Stimmungsumfragen als auch harte Wirtschaftsdaten hin. Erstmals seit Juli berichteten Chinas Firmenlenker im Oktober wieder von steigenden Geschäften: Der offizielle Einkaufsmanagerindex der Industrie legte im Vormonatsvergleich um 0,4 Punkte auf 50,2 Zähler zu, wie die Handelsvereinigung China Federation of Logistics and Purchasing (CFLP) am Donnerstag in Peking mitteilte. Ein Wert von über 50 Punkten deutet gemeinhin auf eine konjunkturelle Belebung.
Auch die parallel erhobene Umfrage der Großbank HSBC deutet auf Besserung: Hier verbesserte sich die Stimmung in der chinesischen Industrie von September auf Oktober um 1,6 Punkte auf 49,5 Zähler. "Wir gehen davon aus, dass Chinas Wirtschaftswachstum nicht mehr nachlassen, sondern sich leicht erholen wird", sagte Ökonom Zhang Liqun vom Zentrum für Entwicklungsforschung des Staatsrates.
Die Diskrepanz der beiden Indikatoren ist dadurch zu erklären, dass der HSBC-Index sich auf kleinere und mittlere Unternehmen konzentriert, die es in der derzeitigen Lage schwerer haben. Viele von ihnen sind auf Exporte in die schwächelnden Staaten des Westens angewiesen und kommen zudem schwerer an Kredite als Großunternehmen. Die Industrie sei dabei, "die Talsohle zu durchschreiten, nachdem es im letzten Monat schon leicht aufwärts ging", kommentierte der HSBC-Ökonom Qu Hongbin die Daten.
Tatsächlich deuten die Frühindikatoren in vielen Satellitenstaaten Chinas ebenfalls auf eine bessere Konjunkturstimmung. Am Donnerstag ebenfalls veröffentlichte Umfragen unter Einkäufern legten auch in Südkorea, Taiwan und Indonesien teils deutlich zu. Im aufstrebenden Schwellenland Korea stiegen im September zudem Exporte und Importe stärker als von Beobachtern im Schnitt erwartet. Die Ausfuhren wuchsen gegenüber Vorjahr um 1,3 Prozent zu und damit so stark wie zuletzt im Februar - Fachleute hatten mit einem Rückgang gerechnet.
Die Frühindikatoren deuteten für Asien auf ein beschleunigtes Wachstum, kommentierte Wei Yao, Ökonomin bei der Großbank Société Générale. "Die konjunkturelle Erholung in Asien könnte der Ausgangspunkt für eine Belebung der Weltwirtschaft sein", sagte Gregor Eder, Ökonom bei der Allianz.
Aufwärts geht es auch in Indien. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex legte um 0,1 auf 52,9 Punkte zu und hielt sich damit deutlich über der Wachstumsschwelle. "Das ist den stabilen Neuaufträgen zu verdanken", sagte HSBC-Ökonom Leif Eskesen. "Allerdings dürfte die Belebung eher schwach ausfallen."
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Asien hat für die deutsche Wirtschaft seit der großen Rezession der Jahre 2008 und 2009 enorm an Bedeutung gewonnen. Weil die Nachfrage aus Europa wegen der Sparprogramme schwächelt und auch die US-Wirtschaft schwächer als vor der Finanzkrise wächst, sind die Exporteure auf eine Erholung in den aufstrebenden Volkswirtschaften rund um den Globus angewiesen.
Nach Einschätzung von Experten dürfte Chinas Wirtschaft ihr zyklisches Tief bereits vor einigen Wochen durchschritten haben. Die Wachstumszahlen zeigen im Vorquartalsvergleich bereits seit dem Frühjahr wieder nach oben. Erst kürzlich meldete Peking für die drei Monate von Juli bis September ein gesamtwirtschaftliches Plus von 2,2 Prozent zum Vorquartal.
Die Investoren an den Aktienmärkten ließen sich durch die positiven Zahlen aus Peking nicht davon überzeugen, dass die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt die Talsohle durchschritten hat: Am Donnerstag lagen die Kurse an den asiatischen Börsen im Minus.
FTD/Reuters