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Merken   Drucken   24.11.2010, 11:32 Schriftgröße: AAA

Ifo-Index: Firmen ignorieren Schuldenkrise

Der Aufschwung soll sich abschwächen, sagen Wirtschaftsforscher. Doch die Unternehmen sind nach wie vor bester Stimmung. Der Geschäftsklimaindex stieg auf den höchsten Stand seit 20 Jahren.
Trotz der Schuldenkrise in Europa ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft so gut wie noch nie seit Beginn der gesamtdeutschen Berechnung 1991. "Die deutsche Wirtschaft schraubt sich immer höher", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zum Geschäftsklimaindex seines Instituts. Die 7000 befragten Manager schätzten sowohl die Aussichten für die kommenden sechs Monate als auch die derzeitige Geschäftslage besser als zuletzt ein.
Der Ifo-Index stieg im November auf 109,3 gegenüber 107,7 Punkten im Vormonat. Das war bereits der sechste Anstieg in Folge. Das Barometer für die Erwartungen stieg auf 106,3 von 105,2 Punkten. Das Lage-Barometer kletterte auf 112,3 von 110,2 Punkten.
Infografik - Entwicklung des Ifo-Index   Infografik - Entwicklung des Ifo-Index
"Der Aufschwung ist intakt und breit angelegt", sagte Ifo-Experte Klaus Abberger zu Reuters. Die Schuldenkrise zahlreicher Euro-Länder lasse die deutschen Unternehmen noch kalt. "Das schlägt bisher nicht auf das Geschäft durch." Zwar seien die Exporterwartungen leicht zurückgegangen, insgesamt aber noch auf einem hohen Niveau.
Die am Dienstag veröffentlichten Daten zur Wirtschaftsleistung im dritten Quartal zeigten, dass die Ausfuhren den Großteil des deutschen Wachstums trägt. Auch der private Konsum steuert ein wenig zum Aufschwung bei. Die Einzelhändler beurteilen ihre derzeitige Lage in der Befragung nicht mehr ganz so optimistisch, sind aber für die kommenden sechs Monate zuversichtlich. "Die Voraussetzungen sind gut, dass die Kassen im Weihnachtsgeschäft klingen", sagte Abberger.
Experten gehen davon aus, dass die Wirtschaft in den kommenden Monaten trotz der Schuldenkrise in Europa robust wächst. "Der Aufschwung ist unglaublich stark, er hat eine neue Qualität erreicht", sagte Unicredit-Experte Andreas Rees. "Es ist nun unwahrscheinlich, dass das Momentum innerhalb weniger Monate abbricht." Die Unternehmen ließen sich von den negativen Schlagzeilen zur Schuldenkrise "überhaupt nicht beeindrucken".
Die deutsche Wirtschaft war im dritten Quartal um 0,7 Prozent gewachsen - fast doppelt so schnell wie die Eurozone mit 0,4 Prozent. Die Bundesregierung sagt für das zu Ende gehende Jahr ein Wachstum von 3,4 Prozent voraus, das sich 2011 auf 1,8 Prozent abschwächen soll.
Der Euro  geriet unter Druck und fiel erstmals seit September unter 1,33 Dollar. "Es ist schon erstaunlich, dass sich der Euro in seinem Abwärtssog auch von so einem guten Ifo-Index nicht aufhalten lässt", erklärte Commerzbank-Analystin Antje Praefcke und erklärt das mit der Schuldenkrise. "Die Unsicherheit darüber, wie es weitergeht, ist einfach zu groß."
  • FTD.de, 24.11.2010
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