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Merken   Drucken   26.07.2011, 20:39 Schriftgröße: AAA

Investitionen im Ausland: Fürchtet euch nicht

Leitartikel Die Deutschen zeigten sich in den vergangenen Jahren als ängstliche Menschen, das Land als eines, das sich seiner Stärke nicht bewusst ist. Die jüngste Statistik über Direktinvestitionen beweist: Viele Ängste waren übertrieben.
Wer sich vor einigen Jahren durch Debatten, Talkshows und Abstiegsbücher kämpfte, lernte vor allem eines: Deutschland verliert - und zwar verliert es vor allem dann, wenn das Geld in andere Standorte und Länder investiert wurde, die bessere Bedingungen, Steuern und Menschen hatten als die Heimat. Nach der globalen Wirtschaftskrise wurde dieses Bild schon gründlich revidiert, als Deutschland sich viel schneller aufrappelte als erwartet - und zum eigenen und aller Erstaunen kraftvoller wuchs als viele Nachbarn.
Frachtcontainer im Hamburger Hafen   Frachtcontainer im Hamburger Hafen
Der am Dienstag veröffentlichte Weltinvestitionsbericht erzählt eine interessante Fortsetzung dieser Geschichte. Insgesamt zeichnet der Report ein verhaltenes Bild. Zwar sind die ausländischen Direktinvestitionen 2010 weltweit um fünf Prozent gestiegen. Sie liegen damit aber immer noch um mehr als ein Drittel unter dem Niveau von 2007. Vor allem, klar, ziehen die Schwellenländer das Kapital an.
Eine Zahl aber lässt aufhorchen: Die Direktinvestitionen deutscher Unternehmen ins Ausland sind von 78 Mrd. auf 105 Mrd. Dollar gesprungen. Es ist der größte Zuwachs aller Industrieländer, noch vor China. Deutschland schiebt sich damit vor Frankreich und hinter die USA auf Platz zwei. Ein Grund zur Freude? Sicher, aber vor allem ein weiterer Beleg, dass viele Ängste übertrieben waren. Deutsche Unternehmen sind gut aufgestellt, sie haben Geld in der Kasse, und sie investieren kräftig und sinnvoll - in ausländische Standorte.
Das aber geht nicht zulasten heimischer Fabriken, denn alle profitieren davon. Wirtschaft, das zeigt sich hier eindrucksvoll, ist eben kein Nullsummenspiel. Wenn deutsche Unternehmen in Asien Arbeitsplätze schaffen und Steuern zahlen, stärkt es auch den Heimatstandort - das gilt im Übrigen genauso, wenn chinesische Firmen auf dem deutschen Markt auf Einkaufstour gehen. Diese Lektion sollte jeder speichern, wenn in der nächsten Krise wieder Standorte gegeneinander ausgespielt werden.
Ein Risiko bleibt: Wer international so gut verflochten ist, macht sich sehr abhängig - auch diese Story kennen wir von den Exporten. Sie nährt die Forderung, dass Deutschland einen stärkeren Binnenmarkt braucht. Was die Dynamik im eigenen Land angeht, bleiben die Deutschen trotz des Aufschwungs bislang auf den hinteren Plätzen der Weltrangliste.
  • Aus der FTD vom 27.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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