Die Kapitalflucht im Euro-Raum nimmt zu. Anleger ziehen verstärkt Gelder aus unsicheren Euro-Krisenstaaten ab. Das zeigen neue Zahlen der Bundesbank. Demnach stieg die deutsche Geldmenge in der breitesten Abgrenzung, M3 genannt, in den sechs Monaten bis Juli um 11,4 Prozent, hochgerechnet aufs Jahr. Im Juni waren es noch 7,4 Prozent.
Nach Angaben der Europäischen Zentralbank (EZB) flossen allein im Juli rund 75 Mrd. Euro an Einlagen von spanischen Banken ab. "Ein Teil davon dürfte seinen Weg nach Deutschland gefunden haben", sagte Kristian Tödtmann, EZB-Beobachter der Dekabank: Die Einlagen bei deutschen Geldhäusern stiegen zuletzt um 16,9 Prozent - sie sind der wichtigste Grund für die steigende Geldmenge.
Damit signalisieren die Zahlen weniger eine wachsende Inflationsgefahr, wie sie bei steigender Geldmenge zu erwarten wäre. Vielmehr geht die Entwicklung auf die sich verschärfende Situation in den Südländern zurück. Zwar sprang die deutsche Teuerungsrate im August sprunghaft von 1,7 auf 2,0 Prozent. Verantwortlich dafür waren jedoch vor allem die gestiegenen Öl- und Benzinkosten. Wenn die Teuerung wegen der Rohstoff- oder Lebensmittelpreise anzieht, bleiben Notenbanker oftmals noch gelassen.
Wichtiger ist ihnen, ob die Inflation durch stark steigende Löhne oder ein anziehendes Kreditgeschäft getrieben wird und deswegen außer Kontrolle geraten könnte. Dies war bei der jüngsten Steigerung nicht der Fall. "Die Kreditvergabe steigt derzeit noch verhalten", sagte Rainer Sartoris, Volkswirt bei HSBC Trinkaus.
Die Daten bestätigen so vor allem diejenige Mehrheit im EZB-Rat, die schon bald wieder Anleihen der Krisenstaaten kaufen möchte. Wichtigstes Ziel ist es, die überhöhten Zinsen in Ländern wie Spanien oder Italien zu senken. EZB-Chef Mario Draghi hatte zuletzt für ein derartiges Eingreifen geworben - mit Verweis auf ein Auseinanderdriften der Finanzmärkte in der Euro-Zone. Die Bundesbank lehnt ein solches Vorgehen ab.
Für Tödtmann zeigen die Bankeinlagen, dass die Rettung spanischer Geldhäuser die Krise nicht entschärft hat. "Deswegen sollten wohl weitere Schritte zur Stützung der Banken unternommen werden", sagte Tödtmann. Ob jedoch die Bundesbank ob der kräftig steigenden Geldmenge von ihrer Haltung abrückt und neue Anleihekäufe zulässt, sei zweifelhaft.