Eine Fahne der Europäischen Union neben einer griechischen in Athen
Unvorhersehbares Kriterium
Im Grunde geht es darum, ob potenzielle Investoren glauben, dass sie ihr Geld nach Ende der Laufzeit einer Anleihe wiedersehen. Ob das Land in, sagen wir, zehn Jahren nicht pleite ist. Das hängt davon ab, wie sich dessen Staatsschulden entwickeln, was wiederum davon abhängt, wie in den zehn Jahren Zinsen, Wirtschaftswachstum und Staatsetats ausfallen. Mit Verlaub: Das weiß kein Mensch. Wenn es um mehr als maximal ein bis zwei Jahre geht, erreichen ökonomische Prognosen den Status reiner Szenariensetzerei. Motto: Kann so kommen; kann aber auch anders.
Bei genauerem Hinhören lavieren sich auch Umschuldungspropheten um das kleine Problem herum, die Zukunft nicht zu kennen, ebenso wenig wie die genaue Pleitegrenze. Da heißt es gern, dass Schulden nicht mehr tragfähig seien, wenn sie über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung liegen und ständig steigen - was die Japaner seit Jahren trotzdem gut hinkriegen. Selbst nach der Jahrhundertkatastrophe. Ein Grund findet sich dann immer. Die Japaner hielten halt das Gros der Schulden selbst - als wäre es dann völlig egal, wie stark der Staat sich verschuldet. Die Finanzmärkte müssen halt nur dran glauben. Das erfüllt sich dann auch von selbst.
Nun könnte man sagen, dass die Zukunft für Griechenland gar nicht so gut werden kann, um den Schnitt noch abzuwenden. Mag sein. Nur ist auch das nicht so einfach, wie es Pleitefans mit ihren Endzeitprophezeiungen vermuten lassen.
Zurzeit müssten die Griechen in der Tat einen völlig astronomischen Haushaltsüberschuss vor Zinsen von 17 Prozent des eigenen Bruttoinlandsprodukts haben - bei einem seit Kurzem zu zahlenden Panikzins für Neuschulden von 15 Prozent und miesen Wachstumsannahmen von nominal noch 1,5 Prozent.