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Merken   Drucken   09.11.2012, 15:36 Schriftgröße: AAA

Konjunktur: Chinas Wirtschaft im Aufwind

Die Zahlen dürften für gute Laune auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei sorgen: Chinas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz und die Investitionen haben deutlich zugelegt.
© Bild: 2012 DPA/Diego Azubel
Die Zahlen dürften für gute Laune auf dem Parteitag der Kommunistischen Partei sorgen: Chinas Wirtschaft nimmt wieder Fahrt auf. Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz und die Investitionen haben deutlich zugelegt.

Die Zeichen in Chinas Wirtschaft stehen auf Erholung. Die Industrieproduktion im Reich der Mitte legte im Oktober stärker zu als von Experten erwartet. Nach am Freitag veröffentlichten Zahlen erzeugten die Firmen 9,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Aufwind signalisierten auch unerwartet kräftig anziehende Umsätze im Einzelhandel sowie robuste Investitionen in Anlagen und Maschinen in den ersten zehn Monaten des Jahres. Die Daten signalisieren, dass der zweitgrößten Wirtschaft der Welt eine harte Landung nach dem konjunkturell schwächsten Jahr seit der Jahrtausendwende erspart bleibt.

Für Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Vaduz ist China auf dem besten Weg, seine Wachstumsdelle zu überwinden: "Die höheren Ausgaben für große Infrastrukturprojekte der Regierung entfalten ihre positive Wirkung. Das Überraschungspotenzial beim Wachstum im Schlussquartal ist groß." Er rechnet damit, dass zwischen Oktober und Dezember ein Plus beim Bruttoinlandsprodukt von knapp über acht Prozent realistisch ist. Im nächsten Jahr dürfte die Konjunktur dann weiter zulegen: Volkswirt Dariusz Kowalczyk von Credit Agricole erwartet sogar mit einer Wachstumsrate von neun Prozent in der ersten Jahreshälfte 2013. Dies wären gute Nachrichten für die von der Euro-Krise und den Wachstumsproblemen in den USA gebeutelte Weltwirtschaft, die China als Konjunkturlokomotive dringend braucht.

Der Zuwachs bei der Wirtschaftsleistung war im dritten Quartal auf ein Dreieinhalb-Jahrestief geschrumpft. Das Plus lag bei nur 7,4 Prozent. Für das Gesamtjahr strebt die Regierung 7,5 Prozent an. Solche für Europa erstrebenswerten Wachstumsraten gelten in China als Untergrenze für die Entwicklung der Wirtschaft, um wegen der großen Zahl der auf den Jobmarkt drängenden Arbeiter soziale Unruhen in dem Milliardenvolk zu vermeiden.

Nun zieht die Wirtschaft aber erkennbar wieder an. Die Anlageinvestitionen legten in den ersten zehn Monaten des Jahres um 20,7 Prozent zu. Und die Einzelhandelsumsätze zogen im Oktober zum Vorjahr um beachtliche 14,5 Prozent an. Die Jahresteuerung fiel zugleich auf 1,7 Prozent nach 1,9 Prozent im September. Damit erhöht sich der Spielraum für die Regierung in Peking, die Geldpolitik bei Bedarf weiter zu lockern.

Parteitag in Peking Volkskongress ohne Volk

Auf dem KP-Kongress in Peking, auf dem derzeit der Stabwechsel von Hu Jintao zu Xi Jinping an der Parteispitze zelebriert wird, machte die Führung deutlich, dass sie weiter auf den Staatssektor als Triebfeder der Wirtschaft setzt. Der scheidende Parteichef Hu redet einer Stärkung des Staatseinflusses in strategisch wichtigen Feldern das Wort, schließt zugleich aber auch mehr Wettbewerb in anderen Sektoren nicht aus. Der Leiter der Aufsichtskommission für staatliches Betriebsvermögen, Wang Yong, sieht keinen Grund für eine durchgreifende Reform, wie sie Kritiker von der KP fordern: "Die Unternehmen in Staatshand müssen zwar marktorientierter werden, sich aber zugleich kräftigen und ihren Einfluss mehren." Kritiker sehen aber gerade die schiere Größe und Marktdominanz der Staatsgiganten, etwa im Öl- oder Versorgungssektor, als Hemmschuh für die chinesische Wirtschaft.

  • Reuters, 09.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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