Banken-Volkswirte zeigten sich erstaunt: "Das ist alles in allem eine positive Überraschung. Wir hatten mit einem Rückgang des Index gerechnet", sagte Marco Bagel von der Postbank. "Man kann nun davon ausgehen, dass das zweite Quartal besser ausfallen sein wird, als man das so erwartet hatte."
Goldman-Sachs-Ökonom Dirk Schumacher rechnet mit einem nachlassenden Wachstumstempo:
"Wir werden eine Normalisierung bekommen. Von einer Stagnation bleiben wir weit entfernt." Die meisten Konjunkurprognosen gehen aber von einer Abschwächung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte aus.
Umfragen unter Einkaufsmanagern deuten bereits auf eine leichte Eintrübung hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juni von 54,6 auf 52 Zähler. Ohne Deutschland und Frankreich sank der Wert sogar unter die 50-Punkte-Marke - erfahrungsgemäß ein Zeichen für schrumpfende Geschäftstätigkeit.
Zwar deuten die Ergebnisse noch nicht auf einen ernsteren konjunkturellen Rückschlag im Euro-Raum hin. Experten werten sie aber als erstes Warnsignal, dass die wirtschaftliche Entwicklung anfällig geworden ist. Das stellt die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) infrage: Die Notenbanker hatten angesichts steigender Ölpreise und robuster Konjunkturwerte für übernächste Woche eine weitere Zinserhöhung angekündigt.