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Merken   Drucken   24.06.2011, 11:33 Schriftgröße: AAA

Konjunktur: Ifo trotzt Euro-Krise mit Rekordhoch

Die deutsche Wirtschaft ist immun gegen die Risiken der Schuldenkrise. Der Geschäftsklimaindex steigt sogar auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Allerdings blicken die Manager nicht mehr ganz so optimistisch in die Zukunft.
© Bild: 2011 reuters
Die deutsche Wirtschaft ist immun gegen die Risiken der Schuldenkrise. Der Geschäftsklimaindex steigt sogar auf den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung. Allerdings blicken die Manager nicht mehr ganz so optimistisch in die Zukunft.
Die deutsche Wirtschaft trotzt der Schuldenkrise und befindet sich in Rekordlaune. Der Ifo-Geschäftsklima-Index stieg im Juni auf 114,5 von 114,2 Punkten im Mai. Das teilte das Münchner Institut mit. Damit erreichte das wichtigste deutsche Konjunkturbarometer den höchsten Stand seit der Wiedervereinigung.
Reale Einzelhandelsumsätze in Deutschland   Reale Einzelhandelsumsätze in Deutschland
Ihre derzeitige Lage beurteilten die gut 7000 befragten Unternehmen deutlich besser: Der Teilindex kletterte von 121,5 auf 123,3 Punkte. "Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem robusten Aufschwung", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn. Vor allem in der Industrie und im Großhandel herrscht weiter Hochstimmung. Der Wert für den Einzelhandel ist dagegen rückläufig.
Die Einzelhändler blicken skeptisch auf den weiteren Geschäftsverlauf. Auch die Industrie beurteilt die nahe Zukunft nicht mehr so optimistisch wie zuletzt. Vor allem das Exportklima wird weniger günstig eingeschätzt. Insgesamt fiel die Komponente für die Erwartungen auf 106,3 von 107,4 Punkten. Das ist der tiefste Stand seit März 2010. Dahinter stecke aber keine Trendwende, sagte Sinn.
Banken-Volkswirte zeigten sich erstaunt: "Das ist alles in allem eine positive Überraschung. Wir hatten mit einem Rückgang des Index gerechnet", sagte Marco Bagel von der Postbank. "Man kann nun davon ausgehen, dass das zweite Quartal besser ausfallen sein wird, als man das so erwartet hatte."
Goldman-Sachs-Ökonom Dirk Schumacher rechnet mit einem nachlassenden Wachstumstempo: "Wir werden eine Normalisierung bekommen. Von einer Stagnation bleiben wir weit entfernt." Die meisten Konjunkurprognosen gehen aber von einer Abschwächung des Wachstums in der zweiten Jahreshälfte aus.
Umfragen unter Einkaufsmanagern deuten bereits auf eine leichte Eintrübung hin. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie fiel im Juni von 54,6 auf 52 Zähler. Ohne Deutschland und Frankreich sank der Wert sogar unter die 50-Punkte-Marke - erfahrungsgemäß ein Zeichen für schrumpfende Geschäftstätigkeit.
Zwar deuten die Ergebnisse noch nicht auf einen ernsteren konjunkturellen Rückschlag im Euro-Raum hin. Experten werten sie aber als erstes Warnsignal, dass die wirtschaftliche Entwicklung anfällig geworden ist. Das stellt die Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB) infrage: Die Notenbanker hatten angesichts steigender Ölpreise und robuster Konjunkturwerte für übernächste Woche eine weitere Zinserhöhung angekündigt.
  • FTD.de, 24.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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