Die US-Konjunktur hat im Sommer an Schwung gewonnen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte zwischen Juni und September aufs Jahr hochgerechnet mit zwei Prozent zu, wie das US-Handelsministerium am Freitag mitteilte. Im zweiten Quartal lag das Wachstum noch bei aufs Jahr gerechnet 1,3 Prozent, zu Jahresbeginn waren es zwei Prozent. "Das BIP in Q3 entsprach weitgehend den Erwartungen: Konsum und Bauinvestitionen gut, Investitionen und Exporte schwach", sagte Carsten Klude, Chefvolkswirt der Privatbank M. M. Warburg der FTD.
Angeschoben wurde das Wachstum vor allem von den Verbrauchern. Die Konsumausgaben stiegen von 1,5 auf zwei Prozent. Auch die Staatsausgaben schoben die Konjunktur an, mit einem Anstieg von aufs Jahr gerechnet 3,7 Prozent. Die Firmen zeigen sich dagegen weiterhin verunsichert und haben weniger investiert. Auch die Exporte enttäuschten. Sie sanken aufs Jahr gerechnet um 1,6 Prozent, die Investitionen um 1,3 Prozent. Vor allem der schwache Welthandel infolge einer geringeren Nachfrage aus China und Europa machte sich bemerkbar. Die Unsicherheit rund um die Euro-Krise belastete die Stimmung der US-Firmen zudem.
Geholfen haben dürfte dagegen die fortschreitende Erholung am US-Häusermarkt, die im Sommer nochmals an Fahrt gewann. Lange bremste die schleppende Entwicklung am Krisenursprung Immobilienmarkt die Erholung. Doch in den vergangenen Monaten stiegen Hauspreise und Bauaktivität nach Jahren der Krise wieder an.
Das entlastet auch die Konsumenten. Das Vermögen vieler Amerikaner ist in ihrem Immobilienbesitz angelegt. Gibt es hier wieder Wertzuwächse, schiebt das tendenziell auch den Konsum wieder an. So geschehen im dritten Quartal. Seit längerem hatte sich die Laune der Verbraucher trotz der zähen Erholung am Arbeitsmarkt deutlich verbessert. Aber noch immer sind 23 Millionen Amerikaner ohne Job - etwa 4,5 Millionen mehr als vor Beginn der Krise 2007.
Die US-Wirtschaft dürfte auch im vierten Quartal ungefähr das Tempo halten. "Die Frühindikatoren deuten nicht auf eine wesentliche Beschleunigung im vierten Quartal hin, aber auch nicht auf einen Einbruch", sagte Klude. Warburg erwartet für das Jahresende eine aufs Jahr gerechnete Wachstumsrate von 1,5 bis zwei Prozent. "Für das Gesamtjahr 2012 dürfte das BIP somit um 2,2 Prozent ansteigen nach 1,8 Prozent 2011", so Klude. Damit bleibt die Dynamik der Erholung für amerikanische Verhältnisse sehr moderat. Wie es Anfang 2013 aussieht, ist laut Klude schwer zu prognostizieren, da derzeit noch zu unklar sei, welche fiskalpolitischen Entscheidungen nach der Wahl im November getroffen werden.
Ob die Beschleunigung des Wachstums im Sommer dem amtierenden Präsidenten Barack Obama bei der Wahl in zwei Wochen Rückenwind gibt, ist unklar. Denn die Erholung gilt nach wie vor zu schwach, um am Arbeitsmarkt für kräftigen Beschäftigungsaufbau zu sorgen. Vor allem das dürfte bei der Wahl zählen.