Die neuen Turbulenzen rund um Griechenland haben die deutsche Konjunktur ins Wanken gebracht - wie der Einbruch der Stimmungsindikatoren von den Instituten Ifo und Markit im Mai zeigt. Noch scheint unklar, was das für die Realwirtschaft bedeutet. Ist es der Beginn einer längeren Abwärtsbewegung oder gar eines tiefen Einbruchs wie nach der Lehman-Pleite? Oder nur eine vorübergehende psychologische Verunsicherung, die kaum Spuren in der Realwirtschaft hinterlässt? Die Antwort hängt nun vor allem von Griechenland ab. Die FTD zeigt drei mögliche Szenarien:
Im Euro-Raum würden die Ängste von Marktteilnehmern, Unternehmen und Verbrauchern vor einer Ansteckung der anderen Krisenländer wieder etwas weichen. Firmen und Haushalte, die ihre Ausgabenpläne wegen der gestiegenen Unsicherheit auf Eis gelegt hatten, fangen wieder an, zu investieren und mehr zu konsumieren.
In Deutschland könnten die bisherigen Wachstumstreiber aus dem ersten Quartal weiter zum Tragen kommen. So hatte der private Konsum mit einem Plus von 0,4 Prozent im Vergleich zum Vorquartal wieder merklich anzogen. Ihn stützen die nach wie vor gute Lage auf dem Arbeitsmarkt sowie die Lohn- und Gehaltszuwächse, die in diesem Jahr wohl bei inflationsbereinigt rund einem Prozent liegen dürften.
Auch die Ausfuhren könnten trotz Rezession in weiten Teilen des Euro-Raums weiter zum Wachstum beitragen. Sie waren im ersten Quartal nach einem Minus Ende 2011 wieder gestiegen, und zwar um 1,7 Prozent. Für anhaltende Zuwächse bei deutschen Exporteuren dürfte die Nachfrage aus den Schwellenländern sorgen. In der Folge würde der jüngste Einbruch bei den Stimmungsindikatoren wohl schnell vergessen sein.
Nach Schätzungen der Citigroup würde die neue Währung gut 60 Prozent abwerten und mindestens fünf Jahre kaum an Wert gewinnen. Der Schuldenstand würde demnach 2013 auf 400 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen. Die Wirtschaftleistung würde nächstes Jahr um zehn Prozent einbrechen, die Inflationsrate auf 20 Prozent springen.
Die Folgen für den Rest des Euro-Raums wären katastrophal. Die zuletzt verstärkte Kapitalflucht aus den Staatsanleihen der Krisenländer würde sich nochmals beschleunigen, weil Anleger davon ausgehen würden, dass weitere Austritte aus dem Euro folgen. Firmen und Haushalte würden ihre Bankeinlagen auflösen.
Die Rezession in weiten Teilen des Euro-Raums würde sich in der Folge nochmals verstärken. Erst im Jahr 2016 könnte die Wirtschaft des Währungsraums laut Citigroup dann wieder das Niveau von 2008 erreichen. Damit wären die Folgen schlimmer, als sie Japan in seinem verlorenen Jahrzehnt in den 1990er-Jahren durchschritten hätte, schreiben die Citi-Ökonomen.
Die Schockwellen wären auch in den USA und Schwellenländern wie China zu spüren - die dann wiederum weniger Waren aus Deutschland kaufen würden. Damit würde die wichtigste Wachstumsstütze der deutschen Wirtschaft wegfallen. Ohne das Exportplus wäre die deutsche Wirtschaft Anfang 2012 nicht um 0,5 Prozent gewachsen, sondern um 0,4 Prozent geschrumpft, wie Berechnungen der Bundesbank zeigen. Die Stimmung der deutschen Firmen würde massiv einbrechen, wie nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008.