Das ist kaum nennenswert und im historischen Vergleich wenig. Da gab es Jahre, in denen die Margen bei zwei oder drei Punkten lagen. So viel Einigkeit unter den Auguren vermittelt den Eindruck, dass leicht absehbar ist, was im neuen Jahr kommt. Ein trügerischer Schein: Hinter der engen Prognosespanne steckt auch ein Herdentrieb. Gerade weil so unsicher ist, was 2012 kommt, folgt man der Meute.
In der Tat haben die Volkswirte ihre Zahlen in den vergangenen Wochen reihenweise nach unten revidiert - unter dem Eindruck der Schuldenkrise. Kein einziger erwartet noch Raten deutlich über einem Prozent Wirtschaftswachstum. Selbst die Bundesregierung liegt bei gerade noch einem Prozent. Optimistischer sind da nur noch die Forscher der Researchfirma Kiel Economics mit den am Dienstag prognostizierten 1,2 Prozent.
Am unteren Rand des Prognosespektrums stehen die Ökonomen des gewerkschaftsnahen IMK-Instituts, die ebenfalls am Dienstag ihre Winterprognose vorstellten und jetzt ein Minus von 0,1 Prozent erwarten. Die anderen liegen dazwischen, meist irgendwo bei einem halben Prozent - so auch die am Dienstag vorgestellte Prognose des Instituts für Weltwirtschaft (IfW) Kiel. Das Essener RWI-Institut kommt auf 0,6 Prozent.
Sieht man genauer hin, räumen alle Auguren allerdings ein, dass die Prognosen diesmal besonders hoher Unsicherheit unterliegen - mit der Euro-Krise als Zünglein an der Waage. Eskaliert die Krise, werden alle Jahresprognosen zu optimistisch sein. Löst sich die Schuldenkrise zu Jahresanfang schnell auf, könnte das Plus leicht weit über einem Prozent liegen.