Die Notenbanken weltweit ringen derzeit um den richtigen Kurs. Einerseits wollen sie nicht zu früh aus ihrer ultralockeren Geldpolitik aussteigen, um nicht die Erholung nach der weltweiten Wirtschaftskrise aufs Spiel zu setzen. Andererseits wollen sie nicht zu lange an ihrem Kurs festhalten, um nicht Inflation und neue Finanzexzesse zu schüren. Im Gegensatz zu den OECD-Volkswirten hatten jüngst die renommierten US-Ökonomen William White und Raghuram Rajan davor gewarnt, die Zinsen zu lange zu niedrig zu halten.
Das Dilemma führt dazu, dass die Währungshüter unterschiedliche Schwerpunkte legen und in den einzelnen Notenbanken heftig wie selten über den weiteren Weg gestritten wird. Die US-Notenbank Fed hat etwa jüngst neue Käufe von Staatsanleihen angekündigt, um die Wirtschaft zu stützen - allerdings gegen teils großen internen Widerstand. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) steckt im Dilemma. Sie hat den Ausstieg eher als die Fed im Fokus. Am stärksten gehen die Meinungen bei der Bank of England auseinander. Während ein Notenbanker gar dafür ist, den Zins von aktuell 0,5 Prozent sofort anzuheben, sind andere im Zweifelsfall bereit, die Staatsanleihekäufe auszuweiten. Am Donnerstag hielt die Notenbank aber erst mal ihren Zins unverändert und kündigte auch keine weiteren Käufe an.
Die OECD stützt ihre Empfehlung an die Notenbanken auf ihre revidierte Prognose, nach der aufs Jahr hochgerechnet nur noch anderthalb Prozent Wachstum in der zweiten Jahreshälfte für die G7-Staaten zu erwarten ist. In der letzten OECD-Prognose waren es noch 1,75 Prozent. Ähnlich sehen es die Experten vom Institut für Weltwirtschaft Kiel (IfW), die ebenfalls am Donnerstag ihre aktuelle Prognose vorstellten: Auch die Kieler Volkswirte erwarten, dass sich das Tempo der weltwirtschaftlichen Expansion im weiteren Verlauf dieses Jahres und im kommenden Jahr abschwächt.