18.11.2009, 11:54
Krisen-Kenner: "So schnell entsteht keine neue Blase"
Interview
"Animal Spirit": Das Buch von Yale-Professor Robert Shiller gilt als das wichtigste zur aktuellen Krise. Im FTD-Interview erläutert er, warum er glaubt, dass nicht Geld, sondern Vertrauen das Schlimmste verhindert hat. Und warum die Welt nicht weniger, sondern mehr Finanzinstrumente braucht.
von Hubert Beyerle und Martin Kaelble, Berlin
Der amerikanische Ökonom Robert Shiller hält die Sorgen für überzogen, dass sich eine neue gefährliche Spekulationsblase bildet. Solche Blasen - wie die jüngst am Immobilienmarkt geplatzte - habe es in den vergangenen hundert Jahren zweimal gegeben, sagte Shiller im FTD-Interview.
Robert Shiller ist Wirtschaftsprofessor an der Yale University und derzeit einer der einflussreichsten Ökonomen der USA
So schnell entstehe keine neue Übertreibung in dieser Größenordnung - zumal der Aufschwung noch nicht besonders stark sei: "Es hat sich zwar wieder eine gewisse Normalität eingestellt, aber das Wachstum ist noch nicht selbsttragend", sagte Shiller.
Noch kämpfen die USA mit den Nachwirkungen der geplatzen Spekulationsblase auf dem Immobilienmarkt. Doch einige Ökonomen warnen bereits vor der Entstehung neuer Blasen, nicht nur auf dem Immobilienmarkt.
Robert Shiller, Professor an der Yale Universität und kürzlich Gast der American Academy in Berlin, ist einer der renommiertesten Kenner von Spekulationsblasen. Vor den beiden vergangenen geplatzen Vermögenspreisblasen hatte er rechtzeitig gewarnt. In seinen drei zuletzt erschienenen Büchern kritisiert er die Idee vollkommener Märkte und weist nach, wie sehr wirtschaftliche Entscheidungen von Stimmungen, Emotionen und Medienthemen geprägt sind. So hatte er schon vor zwei Jahren vor dem Platzen der Hauspreisblase in den USA gewarnt.
Deren Nachwirkungen seien noch lange nicht überwunden. Auf dem US-Immobilienmarkt herrsche noch immer ein deutliches Überangebot - auch wenn es in einigen Städten, etwa in San Franciso, bereits wieder erste Anzeichen der Immobilienspekulation gebe. "Aber das ist lokal begrenzt", sagte Shiller.
Teil 2: "Theorie effizienter Märkte ist überholt"
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Aus der FTD vom 18.11.2009
© 2009 Financial Times Deutschland