Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem weltwirtschaftlichen Ausblick zu einer konjunkturschonenden Haushaltskonsolidierung aufgerufen. Diese könne dann gelingen, wenn Steuern temporär erhöht und die staatlichen Ausgaben gleichzeitig gezielt gesteigert würden, heißt es in dem gestern vorgestellten Bericht. Das klingt ein wenig nach der Quadratur des Kreises.
Hatte der Fonds früher vor allem auf die strikte Einhaltung von Konsolidierungsmaßnahmen gepocht, hat sich der Kurs mittlerweile etwas geändert. Angesichts der globalen Turbulenzen wird den Experten immer wichtiger, wie die Weltwirtschaft für mehr Wachstum sorgen kann.
Unter dem Druck der Finanzmärkte schien die verfolgte Linie vor allem in Europa bis zuletzt klar: Wenn die Krisenstaaten nur hart genug sparen und reformieren, kann die Krise gelöst werden. Tatsächlich stehen Länder wie Italien und Spanien mittlerweile wieder unter Beschuss. Dazu äußerte sich gestern IWF-Chefökonom Olivier Blanchard bei der Vorstellung des Wirtschaftsausblicks: "Die Märkte scheinen etwas schizophren", sagte er. Einerseits forderten sie fiskalische Konsolidierung - andererseits reagierten sie jedoch feindselig, wenn diese Einschnitte zu weniger Wachstum führten.
Um dem entgegenzuwirken, plädierte der Fonds jetzt für eine schonendere Konsolidierung. Diese könne gelingen, wenn staatliche Ausgaben vor allem den von der Finanzkrise stark gebeutelten Bevölkerungsgruppen zugutekämen, die ihre verfügbaren Einkommen vollständig ausgäben. Investitionen sollten Staaten vor allem dort tätigen, wo sie die Konjunktur am stärksten ankurbelten - und weniger stimulierende Projekte einstellen.
Gleichzeitig plädierte der Fonds gestern wiederholt für eine Konsolidierung der zwei Geschwindigkeiten. Länder mit fiskalischem Spielraum sollten demnach stärker die Konjunktur stützen. Damit sprachen die Experten indirekt auch Deutschland an.