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Merken   Drucken   11.01.2012, 16:46 Schriftgröße: AAA

Nach dem Konjunkturboom: Vorsicht, Absturz droht!

Drei Prozent Wachstum 2011 - alle Achtung. Dabei verdeckt die Gesamtjahreszahl, dass die Konjunktur zuletzt gefährlich gekippt ist. Die Exporte wachsen seit Frühsommer nicht mehr, die viel gelobte Konsumlust ist weit weniger beeindruckend, als es oft behauptet wird.
© Bild: 2011 DPA/Bildfunk/Boris Roessler
Kommentar Drei Prozent Wachstum 2011 - alle Achtung. Dabei verdeckt die Gesamtjahreszahl, dass die Konjunktur zuletzt gefährlich gekippt ist. Die Exporte wachsen seit Frühsommer nicht mehr, die viel gelobte Konsumlust ist weit weniger beeindruckend, als es oft behauptet wird. von Mathias Ohanian  und Thomas Fricke 
Noch hallen die Appelle an den Optimismus nach, die zum Jahreswechsel in Deutschland zu hören waren. Das Geschäftsklima sei gar nicht so schlecht. Die Unternehmen so gut aufgestellt und weltweit präsent, dass sie die Euro-Krise locker wegstecken; dass Rezession etwas für die anderen ist, nicht für uns.
Die erste amtliche Schätzung zur Wirtschaftsentwicklung Ende 2011 holt all die auf den Boden zurück, die Deutschlands Wirtschaft schon für unverwundbar erklären wollten. Danach ist die Zeit des schönen Wachstums im letzten Quartal 2011 jäh zu Ende gegangen, schrumpfte das Bruttoinlandsprodukt erstmals seit der großen Rezession 2009 wieder.
Wie stark wächst die deutsche Wirtschaft 2012?

 

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Zwar dürfte das Minus nur bei einem viertel Prozentpunkt gelegen haben, und spätere Revisionen sind nicht auszuschließen, wie die Statistiker die Zahlen kommentierten. Der Dämpfer sitzt trotzdem. Nach dem jähen Ende des Aufschwungs ist die Gefahr durchaus nennenswert, dass die hiesige Wirtschaft in eine längere Schrumpfungsphase gerät. Zwar halten Optimisten dagegen, dass Deutschland um eine zweite Rezession in nur drei Jahren noch herumkommen werde. Immerhin sei das Ifo-Geschäftsklima zuletzt zweimal hintereinander wieder gestiegen. Die Binnennachfrage sei robust.
Ob das reicht, ist allerdings fraglich. Die deutschen Exporte wachsen im Grunde seit dem Frühsommer schon nicht mehr. Und die viel gelobte Konsumlust erweist sich bei näherem Hinsehen als sehr wackelig: die Deutschen haben 2011 real 1,5 Prozent mehr ausgegeben als im Vorjahr. Das ist nur die Hälfte des gesamten Wirtschaftswachstums, und es ist im internationalen Vergleich auch eher mickrig. Wenn die Exporte wegen der Euro-Krise und den Rezessionen in den Nachbarländern richtig einbrechen, wird das wenig helfen.
Die Wirtschaft der Euro-Zone dürfte 2012 vor allem wegen der heftigen Konsolidierungsprogramme schrumpfen. Hinzu kommt die Unsicherheit für Unternehmen und Konsumenten über den Ausgang der Euro-Krise. Deutschland droht da besonders vom Abschwung betroffen zu sein, weil das Bruttoinlandsprodukt mittlerweile eben zur Hälfte an den Ausfuhren hängt. Und der europäische Währungsraum ist trotz aller Jubelmeldungen um die boomenden Schwellenländer mit 40 Prozent noch immer der größte Absatzmarkt.
Noch läuft der Arbeitsmarkt ganz gut - zuletzt sank die um saisonale Schwankungen bereinigte Zahl der Erwerbslosen sogar. Allerdings erwarten manche Fachleute bereits in den ersten Monaten des Jahres wieder Anstiege. Erstmals seit der Finanzkrise. Damit würde auch die Gefahr steigen, dass der - für 2012 einmal mehr - erhoffte Konsumboom erneut ausbleibt. Spätestens dann werden auch die Jubelmeldungen der Optimisten ein jähes Ende finden.
  • FTD.de, 11.01.2012
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