So lief eine Versteigerung deutscher Staatsanleihen länger nicht mehr ab: Weil die für das Schuldenmanagement des Bundes zuständige Finanzagentur mit den Preisgeboten der Investoren unzufrieden war, behielt sie rund 60 Prozent des Emissionsvolumens ein. Normalerweise liegt die sogenannte Marktpflegequote nur bei etwa 20 Prozent. "Die Kursgebote lagen nicht in dem Preissegment, das wir uns vorgestellt haben", sagte ein Sprecher der Finanzagentur am Montag. "Der Bund kann momentan am Sekundärmarkt einen besseren Preis erwirtschaften."
Die Durchschnittsrendite bei der Auktion der Schatzanweisungen mit zwölfmonatiger Laufzeit lag zwar mit minus 0,0184 Prozent erneut im negativen Bereich, so dass Investoren faktisch eine Prämie an den Bund zahlen. Am Markt ist die Rendite aber noch niedriger: Dort liegt sie mit 0,36 Prozent im Minus. Die Finanzagentur teilte deshalb nur Papiere im Wert von knapp 1,2 Mrd. Euro an Investoren zu.
Die restlichen Papiere im Wert von 1,8 Mrd. Euro übernimmt die Finanzagentur in den Eigenbestand und wird sie peu à peu am Sekundärmarkt abstoßen und zu Geld machen. Dort wechseln jährlich deutsche Anleihen im Wert von mehrere Billionen Euro den Besitzer - nach den USA ist es der Markt für deutsche Bundespapiere der zweitgrößte weltweit.
"Das Auktionsergebnis ist sicherlich sehr ungewöhnlich", sagte Analyst Christian Lenk von der DZ Bank. "Aber ich würde das nicht überbewerten. Das ist keine Trendwende, keine Flucht aus Bundestiteln." Der Markt sei in den vergangenen Monaten sehr panisch gewesen und beginne nun, sich ein wenig zu normalisieren. Deutlich werde dies daran, dass die Renditen für deutsche Papiere allmählich wieder ins Plus gedreht seien. "In diesem Umfeld kann es einmal passieren, dass eine Auktion nicht so gut funktioniert", sagte Lenk.
Deutschland profitiert in der Schuldenkrise, weil es bei Investoren als sicherer Hafen gilt. Alle drei großen Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik Deutschland mit der Bestnote "AAA". Auf der Suche nach sicheren Anlagemöglichkeiten für ihr Geld begnügen sich Anleger mit Mini-Zinsen oder zahlen sogar eine Prämie, um in den Besitz von Bundeswertpapieren zu kommen.
Mit Versteigerungen hat sich der Bund bislang 204,5 Mrd. Euro am Kapitalmarkt besorgt. Am Jahresende sollen es etwa 255 Mrd. Euro sein. Das Geld wird benötigt, um alte Schulden zurückzuzahlen und die Haushaltslücke zu decken.