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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   16.03.2010, 11:23 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (1): Akerlof - Abschied vom Universalmenschen

George Akerlof ist einer der wichtigsten Köpfe beim Versuch, das ökonomische Denken zu erneuern. In den etablierten abstrakten Modellen werde unterschätzt, wie stark sich Menschen mit ihrem Umfeld identifizieren müssten, meint der Nobelpreisträger. von Hubert Beyerle und Thomas Fricke  Berlin
Schon einmal hat George Akerlof in der Wirtschaftswissenschaft eine Revolution eingeleitet. Damals beschrieb er, was passiert, wenn Autohändler mehr über einen Gebrauchtwagen wissen als der Käufer. 40 Jahre später könnte er eine zweite Revolution auslösen. Akerlofs Idee ist auch Titel seines neuen Buches: "Identity Economics". Es ist der Abschied vom Nutzenmaximierer Mensch.
Die neue Idee
Im Gegensatz zu den Standardmodellen der Ökonomen sieht Akerlof den Menschen als ein von seiner Umwelt geprägtes Wesen. Soziale Regeln und Normen bestimmen sein Verhalten ebenso wie das Streben nach Geld und Wohlstand. Die Menschen unterscheiden sich also, je nachdem, aus welchem sozialen Umfeld sie kommen. Die Werte und Normen dieses Umfelds bestimmen ihr Verhalten.
George A. Akerlof   George A. Akerlof
So lassen Arbeiterfamilien ihre Kinder weniger lange auf der Schule, weil es ihren Traditionen so entspricht. Die ökonomische Erklärung dagegen lautet, dass jeder so lange studiert, bis er das Maximum an "Bildungsrendite" herausgeholt hat. Was einfach nicht stimmt. Oder dass Frauen über Jahrzehnte weniger rauchten als Männer und erst in den letzten Jahren "aufgeholt" haben, lässt sich nur mit Normen und Idealen weiblichen Verhaltens erklären, die gesellschaftlich geprägt sind.
Was dahintersteckt
Der Mensch ist für den Standardökonomen ein recht simpel gestricktes Wesen. Er maximiert seinen Nutzen, und dieser lässt sich darüber hinaus noch in Geld bemessen. Selbst der nette Altruist ist für den Standardökonomen ein Nutzenmaximierer, dessen Verhalten sich daraus ergibt, dass er die Reaktionen der anderen Menschen auf sein Verhalten einkalkuliert und mit seinem Verhalten Strafen und soziale Ausgrenzung vermeiden will.
Grundsätzlich seien die Menschen, was ihre Motivation betrifft, also gleich. Falsch, sagt Akerlof. Die Menschen folgen den Normen nicht, weil sie sonst Strafen befürchten, sondern weil sie es wollen. Sie sind "intrinsisch" motiviert, weil sie ein Bild von sich selbst haben, dem sie entsprechen wollen. Sie haben Ideale abhängig von ihrer Identität und sozialen Prägung. Also sind die Menschen auch unterschiedlich. Wer von der Soldatenschmiede Westpoint kommt, für den sind Loyalität und Ehre also wichtiger als Geld.

Teil 2: Was Praktiker daraus lernen

  • FTD.de, 16.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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