FTD.de » Politik » Konjunktur » Simon Johnson - Für ein Ende der Bankenmacht
  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   01.06.2010, 12:00 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (11): Simon Johnson - Für ein Ende der Bankenmacht

Seit der Deregulierung des Sektors beeinflusst die Finanzbranche die öffentliche Meinung immer stärker. Es ist höchste Zeit, das wieder zu ändern, sagt Simon Johnson. von Mathias Ohanian, Berlin
Nach wie vor vertreten viele Politiker und Finanzprofis die Ansicht, die aktuelle Notlage an den Finanzmärkten sei das Ergebnis einer Verkettung unglücklicher Umstände. Um die Missstände zu beheben, reiche es aus, an einigen Stellschrauben zu drehen. Dann laufe das System wieder wie geschmiert, so die Vorstellung dieser Experten. Reformiere die Politik die Finanzmärkte zu exzessiv, könnte das schwerwiegende Probleme auch für die Realwirtschaft nach sich ziehen, warnen sie.
Simon Johnson   Simon Johnson
Doch nach Ansicht von Simon Johnson war die Finanzkrise kein zufälliger Schock, sondern das zwangsläufige Resultat einer Verschiebung des politischen und wirtschaftlichen Rahmens in den vergangenen 30 Jahren. "Die Ideologie der Wall Street hat von Washington Besitz ergriffen", sagt der Mann, der als ehemaliger Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) kaum im Verdacht steht, ein verkappter Linker oder Untergangsprophet zu sein.
Die Idee
Johnson verweist auf das Ende der 1970er-Jahre als entscheidende Phase. Damals startete die Deregulierung des US-Finanzsektors. In der Folge konnte die Branche mehr Geld verdienen, welches wiederum in zusätzliche Lobbyarbeit floss. Noch mehr Deregulierung war die Folge, sagt er - bis heute.
Und so sei in den vergangenen drei Dekaden ein Kreislauf entstanden, der seiner Einschätzung nach in einem Endzeitszenario münden könnte: Sparer und Gläubiger stellen Geld bereit, in der Hoffnung, hohe Erträge zu erhalten. Die investierenden Banken gehen bei ihren Anlageentscheidungen immer höhere Risiken ein - in der Gewissheit, der Staat werde sie im Zweifel schon retten. "Wir ermuntern das Bankensystem, große und sozial gefährliche Risiken einzugehen", so der ehemalige IWF-Chefökonom.

Teil 2:

  • FTD.de, 01.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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