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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   23.06.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (14): William White und der Teufelskreis niedriger Zinsen

Zentralbanken folgen in Krisenzeiten Reaktionsmustern, die zur nächsten Krise führen. Davor warnt William White schon seit Jahren. von Martin Kaelble, Berlin
Es ist ein altes Muster, nach dem die Zentralbanken 2008 den nahenden Kollaps bekämpften: Im Angesicht der Katastrophe blieb Notenbankern von Washington bis Frankfurt kaum eine andere Wahl, als den Leitzins nahe null zu senken.
Der Ökonom William White   Der Ökonom William White
So sollte kurzfristig ein noch härterer Absturz oder gar eine jahrelange Depression abgewendet werden. Ein Teufelskreis - glaubt William White, einstiger Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Denn die expansive Geldpolitik stütze zwar das Wirtschaftswachstum, zugleich führe sie aber zu Ungleichgewichten und Risiken an den Finanz- und Vermögensmärkten - und damit früher oder später zur nächsten Blase.
Die Idee
Der Kanadier fordert den Ausstieg aus diesem Teufelskreis. Nach seiner Ansicht braucht es dafür in Zukunft einen neuen analytischen Rahmen - einen, der nicht nur Wachstum und Inflation, sondern auch die Entwicklung von Vermögenswerten und Ungleichgewichten stärker berücksichtigt. Die Gestalter der Geldpolitik sollten auch Bilanzen und Aktienentwicklungen im Blick haben. Tun sie dies, so könnten sie laut White Finanzblasen schneller erkennen und durch eine vorausschauende, frühzeitige Reaktion der Geldpolitik verhindern - statt erst dann mit extremer Niedrigzinspolitik zu reagieren, wenn die Blase einmal geplatzt ist.
Was Praktiker daraus lernen
Als einstiger Chefanalyst der BIZ, einer Art Oberaufseher der Notenbanken, wendet sich White vor allem an die Zentralbanker. Von White, der lange vor dem Platzen der Immobilienblase vor den Risiken warnte, können sie lernen, ihren Blick auch auf andere Kennzahlen als die bisher gängigen zu lenken. White selbst hat knapp drei Jahrzehnte als Notenbanker gearbeitet. Er gesteht ein, dass man in dieser Funktion oft in Zielkonflikten steht. Doch er fordert bei geldpolitischen Entscheidungen eine größere Sensibilität für Ungleichgewichte und damit für das Risiko neuer Blasen.
Der Blasenseher
William White ist Notenbank-Experte. Erst arbeitete er bei der Bank of England, dann 22 Jahre bei der Bank of Canada.
Mahner Als Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) wurde der Kanadier zum Gegenspieler von Fed-Chef Alan Greenspan und warnte vor den Risiken der Niedrigzinspolitik.
  • FTD.de, 23.06.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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