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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   06.07.2010, 10:52 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (16): James Galbraith und das Einkommensgefälle

Ökonomische Ungleichheit ist ein Schlagwort der Finanzkrise. Um sie besser zu messen, entwickelt James Galbraith neue Methoden. Porträt eines Datensammlers gegen die Spaltung. von Philine Lietzmann und Mathias Ohanian, Berlin
Die globalen Einkommen sind in den vergangenen vier Dekaden stark auseinandergedriftet. Die Ursachen dafür untersucht der Ökonom James Galbraith, Professor an der Universität Texas. Dank der umfangreichen Datenbank seines dort seit zehn Jahren bestehenden Projekts zur Erforschung von wirtschaftlicher Ungleichheit kann er auch die Chronologie dieser Entwicklung aufschlüsseln.
Die Idee
Rapide hat sich die Einkommensschere seit Anfang der 1980er-Jahre geweitet, wie Galbraith mithilfe neuer Messmethoden herausgefunden hat.
James K. Galbraith   James K. Galbraith
Als zentrale Ursachen dafür nennt er insbesondere den weltweiten Anstieg von Zinsen und Staatsschulden, die das Machtverhältnis von Gläubigern und Schuldnern beeinflusst hätten. Bis Ende der 1990er-Jahre stieg die Ungleichheit steil an. Eine leichte Trendumkehr sei erst seit Anfang dieses Jahrtausends messbar. Galbraith führt dies vor allem auf die sinkenden Zinsen an den weltweiten Kapitalmärkten und die steigenden Rohstoffpreise zurück. Der Rückgang der Ungleichheit habe den in den zwei Jahrzehnten zuvor registrierten Anstieg aber nur zu einem kleinen Teil wettmachen können, sagt Galbraith.
Was Praktiker daraus lernen
Noch immer ist der Gini-Koeffizient das gebräuchlichste Maß zur Bestimmung von Ungleichheit - nicht zu Recht, wie Galbraith findet. Er hat gemeinsam mit Kollegen unter anderem den Theil-Index entwickelt, mit dem seiner Einschätzung nach die Unterschiede zwischen Ländern vergleichbarer sind. Politiker könnten mit dieser Methode den Zusammenhang zwischen dem Entwicklungsprozess eines Landes und der Ungleichheit besser erkennen, so Galbraith. Und weil ökonomische Ungleichheit sehr stark von den Finanz- und Rohstoffmärkten beeinflusst würde, sollten internationale Politiker nach Auffassung von Galbraith stärker international zusammenarbeiten. Würden diese Märkte besser reguliert, fiele auch die Ungleichheit, so seine Ansicht.
Berühmter Vater
Gegen das Gefälle James Galbraith ist Professor an der Universität Texas und erforscht Methoden zur Messung von ökonomischen Ungleichheiten.
Großes Erbe Sein Vater war der berühmte Ökonom John Galbraith, ein Pionier der Institutionenökonomie und Berater von John F. Kennedy.
  • FTD.de, 06.07.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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