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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   27.03.2010, 11:00 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (2): Stiglitz - Kämpfer wider den Washington-Konsens

Die Krise erschüttert die Ökonomenzunft - und bahnt den Weg für Neues. Die FTD stellt in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking Ökonomen vor, die frische Ideen ins etablierte Denken bringt. Heute: Joseph Stiglitz. von Hubert Beyerle, Berlin
Er war ganz oben, im Zentrum der Macht, und kennt das Weiße Haus und die Weltbank von innen. Zu Beginn seiner Karriere wies er mathematisch exakt die Widersprüche der ökonomischen Modelle nach. Er war Berater eines US-Präsidenten, Chefvolkswirt der Weltbank und erhielt den Wirtschaftsnobelpreis. Heute ist er einer der wichtigsten kritischen Ökonomen überhaupt, gehört wird er in den Zirkeln der Mächtigen wie auch auf Versammlungen der Globalisierungsgegner.
Joseph Stiglitz   Joseph Stiglitz
Kaum ein Ökonom hat sich durch so unterschiedliche Sphären bewegt wie Joseph Stiglitz . Als einer der ersten Topökonomen ging er auf Distanz zu dem bis vor wenigen Jahren herrschenden wirtschaftstheoretischen Konsens. Dieser besagt, dass freie Märkte erstens von sich aus zu einem vernünftigen Ergebnis führen und zweitens stabil sind, wenn man sie in Ruhe lässt. Noch vor wenigen Jahren war er mit seinen Zweifeln an diesem Credo ein krasser Außenseiter. Heute ist er einer der einflussreichsten Volkswirte überhaupt.
Bekannter wurde Stiglitz bereits Ende der 90er-Jahre mit seiner Kritik an der Politik des Internationalen Währungsfonds (IWF) nach der Asienkrise. Er verwarf die Liberalisierung der Finanzmärkte und die Deregulierungswelle seit den 80er- Jahren. Er betonte die "Schatten der Globalisierung" und sieht die Entwicklungsländer als Opfer einer Politik, die alles Wesentliche dem Markt überlässt. Statt "Marktfundamentalismus" walten zu lassen, müsse der Staat stärker in das Geschehen eingreifen und die Finanzmärkte wieder stärker regulieren.
Die neue Idee
Informationen sind entgegen den klassischen Ökonomenmodellen in der realen Welt unvollständig und ungleich verteilt. Das führe etwa bei privat organisierten Krankenversicherungen dazu, dass sich relativ gesunde Menschen in günstigen Versicherungen konzentrieren und für die anderen Menschen nur Versicherungen übrig bleiben, die hohe Prämien verlangen. Das widerspricht der alten These effizienter Märkte. Tatsächlich ist die Ausgangslage nämlich nicht für alle Teilnehmer gleich. Die Annahme, der freie Wettbewerb führe zu einem effizienten Ergebnis, bei dem alle das Mögliche erreicht haben, ist nach Stiglitz falsch. Die Autorität für seine Kritik erzielte er dadurch, dass er die mathematische Modellsprache der Ökonomen perfekt beherrscht.

Teil 2: Was Praktiker daraus lernen

  • Aus der FTD vom 27.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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