Amartya Sen
Der aus Indien stammende Ökonom Amartya Sen hat sich daher auf die Suche begeben nach den Schlüsselfaktoren für Entwicklung und Lebensqualität. Der Harvard-Professor beschränkt sich dabei nicht auf ökonomische Modelle, sondern führt - ganz in der Tradition großer Ökonomen wie Adam Smith - Wirtschaftswissenschaft und Philosophie zusammen. Herausgekommen sind ein alternativer Indikator und jede Menge Handlungsempfehlungen, an denen sich speziell Politiker in Entwicklungsländern orientieren können.
Die Idee
Entwicklung bedeutet für Sen mehr als nur Wirtschaftswachstum. Der Schlüssel liegt für den Inder vielmehr in der Freiheit des Einzelnen. Durch Vergrößerung dieser Freiheit nehmen die individuellen Chancen zur Selbstverwirklichung zu - und damit letztlich auch die Dynamik und der Wohlstand einer Volkswirtschaft.
Das verdeutlicht Sen in zahlreichen Studien, in denen er unter anderem die Gründe für Hungersnöte untersucht hat. So ist Armut für ihn nichts anderes als eine Folge mangelnder Verwirklichungsmöglichkeiten. Schnelles Wirtschaftswachstum beseitigt Armut somit nicht automatisch, ebenso wenig, wie es zwangsläufig die Lebenserwartung erhöht. Stattdessen rückt er den Wert von offenem Dialog, persönlicher Wahl- und Gestaltungsfreiheit in den Mittelpunkt: Mit dem Grad an politischen und privaten Freiheiten wachse die Basis für eine nachhaltige Entwicklung einer Wirtschaft, so Sen.
Der indische Ökonom bewegt sich damit jenseits von tradierten ökonomischen Denkweisen, weit abseits von Keynesianismus und Neoklassik. Stattdessen denkt er Ökonomie neu und schafft einen Brückenschlag hin zu ethischen und philosophischen Aspekten von Wirtschaft.