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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   30.03.2010, 14:50 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (3): Piketty - Wenn Reiche zu wenig Steuern zahlen

Die Krise hat der etablierten Ökonomie zugesetzt - und bahnt den Weg für Neues. Die FTD stellt jeden Dienstag einen der Wissenschaftler vor, die mit frischen Ideen zum Neustart beitragen. Heute: Thomas Piketty. von Mathias Ohanian und Thomas Fricke  Berlin
Bis vor Kurzem bewegte es vor allem Sozialforscher und Linke, wenn Einkommen stark auseinanderdrifteten. In den etablierten Modellen der Ökonomie galt der Leitsatz, dass Einkommensgefälle per se gut sind, weil sie die Leistungsanreize erhöhen.
Thomas Piketty   Thomas Piketty
Seit ein paar Jahren zweifeln aber auch Ökonomen an dem Leitsatz. Darunter ist der international renommierte französische Wissenschaftler Thomas Piketty, der in Langzeitstudien herausfand, dass großen Finanzkrisen oft ein besonders krasses Auseinanderdriften der Einkommen vorausging. Ein Befund, der Piketty zu ziemlich provokanten Forderungen bewegt.
Die neue Idee
Auf bisher einmalige Art wertete Piketty mit Oxford-Ökonom Anthony Atkinson und Berkeley-Kollege Emmanuel Saez aus, wie sich Einkommen und Vermögen seit Anfang des 20. Jahrhunderts rund um den Globus entwickelten. Ergebnis: Das oberste Prozent der US-Bevölkerung verdiente 1928, also kurz vor der ersten großen Wirtschaftskrise, fast ein Viertel der Einkommen.
In den prosperierenden Jahrzehnten danach sank dieser Wert auf nur noch neun Prozent. Ende der 1970er-Jahre kehrte sich der Trend um: Der Anteil des obersten Prozents der Bevölkerung stieg steil und erreichte 2006, kurz vor Ausbruch der Finanzkrise, 23 Prozent. Wieder erwirtschaftete das reichste Prozent ein Viertel des Einkommens.
Nach Pikettys Vermutung ist das kein Zufall: Das Auseinanderdriften der Einkommen scheint einen Teil der Finanzkrisen zu erklären - und umgekehrt. Wenn die Finanzbranche zu stark wachse, fördere dies das Einkommensgefälle, weil entsprechende Vermögensgewinne vor allem den obersten Einkommen zugutekämen, sagt Piketty.

Teil 2: Was Praktiker daraus lernen

  • FTD.de, 30.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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