Die Idee Colanders Ansatz ist ein anderer. Es sei unsinnig, eindeutige Zusammenhänge, Gesetze und Strukturen zu suchen, wie es etwa die Physik tue. Stattdessen gehe es darum, die Kräfte zu verstehen, die allen komplexen Phänomenen gemeinsam seien, sagt er. Die meisten Prozesse der Volkswirtschaft seien nicht linear. "Entwicklungen sind selten stabil, sondern kollabieren oder explodieren." Es gehe darum, die Muster zu finden, nach denen solche Prozesse ablaufen. Diese seien oft nur statistisch mithilfe von Simulationen zu errechnen und die Ergebnisse entsprechend nur Wahrscheinlichkeiten. Mit modernen Computerprogrammen sei es möglich, viele Varianten von Modellen durchzurechnen. Die leidige Suche nach der eindeutigen Lösung, die allein schon ein Modell für viele Standardökonomen zu einem richtigen macht, entfällt dann.
Vor allem fordert Colander den Abschied von der Idee des idealen, repräsentativen Menschen. Die Standardökonomie habe zu viel Wert gelegt auf die Eleganz eines Modells, aber zum Preis unrealistischer Annahmen. Meist wurde das bewusst in Kauf genommen, solange die Modelle "funktionierten".
Was Praktiker daraus lernen Folgt die Ökonomie Colanders Weg, ist sie kaum noch in der Lage, eindeutige Prognosen und Empfehlungen abzugeben. Das sei auch gut so. "Ökonomen haben die ethische Verantwortung, die Grenzen ihrer Modelle und den möglichen Missbrauch ihrer Forschung zu kommunizieren." Die Empfehlungen des vielfachen Lehrbuchautors Colander richten sich vor allem an die Ökonomenausbildung: "Entscheidend ist nicht, dass die Studenten lernen, Modelle zu entwickeln, sondern mit ihnen kreativ umzugehen." Vor allem sollten Ökonomen sich nicht scheuen, ihre Modelle am gesunden Menschenverstand zu messen - ob sie in der realen Welt überhaupt möglich sind.