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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   22.03.2011, 11:22 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (47): Roman Frydman und die Prognosekritik

Wir wissen es auch nicht: Keine ökonomische Theorie berücksichtigt ungewöhnliche Ereignisse, sagt Roman Frydman. Er fordert mehr Demut von seiner Zunft und bessere Regulierung. von Mathias Ohanian, Berlin
Es passiert immer wieder und häufig unbemerkt. Als im vergangenen Frühjahr die deutsche Wirtschaft in nur einem Quartal satte zwei Prozent zulegte, hatten die Volkswirte das nicht etwa längst erwartet und prognostiziert.
Roman Frydman   Roman Frydman
Sondern die Ökonomenschaft schraubte erst nach dieser Meldung ihre Prognosen für das Jahreswachstum nach oben.
Und die Beispiele falscher Annahmen und überrumpelter Ökonomen lassen sich problemlos fortsetzen: Als es zur Finanzkrise kam und diese sich 2009 zur globalen Rezession auswuchs, überraschte das die meisten Volkswirte ebenfalls - sie hatten mit einem Plus gerechnet. Das alles passierte ausgerechnet einer Zunft, die für sich beansprucht, die Zukunft vorhersehen zu können.
Die Idee
"Ökonomen sollten viel bescheidener werden", sagt der an der New York University unterrichtende Professor Roman Frydman deshalb. Er forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Unsicherheit und kommt zu dem Schluss: "Die gängigen Modelle der Volkswirte berücksichtigen überhaupt nicht, dass ungewöhnliche Ereignisse auftreten können."
Bereits 2007 vor Ausbruch der globalen Finanzkrise kritisierte er, dass die ökonomischen Modelle nicht berücksichtigen, dass Wirtschaftsakteuren eben nicht allwissend sind - was auch eher der Realität entspricht. Heute geht er noch einen Schritt weiter: Nicht nur die gängige Theorie der rationalen Erwartungen könne die Wirtschaft nicht hinreichend abbilden, auch der relativ neue Forschungsbereich der Verhaltensökonomie greife viel zu kurz, kritisiert er.
So erklären Verhaltensökonomen Preisexzesse an den Finanzmärkten gern mit Irrationalität und Herdentrieb; Spekulanten würden ihre Entscheidungen ohne Berücksichtigung der realen Entwicklung treffen. Doch das ist keineswegs richtig, wie Frydman in seinem neuen Buch "Beyond Mechanical Markets" beschreibt.

Teil 2: Was Praktiker daraus lernen

  • FTD.de, 22.03.2011
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