Roman Frydman
Sondern die Ökonomenschaft schraubte erst nach dieser Meldung ihre Prognosen für das Jahreswachstum nach oben.
Und die Beispiele falscher Annahmen und überrumpelter Ökonomen lassen sich problemlos fortsetzen: Als es zur Finanzkrise kam und diese sich 2009 zur globalen Rezession auswuchs, überraschte das die meisten Volkswirte ebenfalls - sie hatten mit einem Plus gerechnet. Das alles passierte ausgerechnet einer Zunft, die für sich beansprucht, die Zukunft vorhersehen zu können.
Die Idee
"Ökonomen sollten viel bescheidener werden", sagt der an der New York University unterrichtende Professor Roman Frydman deshalb. Er forscht seit Jahren auf dem Gebiet der Unsicherheit und kommt zu dem Schluss: "Die gängigen Modelle der Volkswirte berücksichtigen überhaupt nicht, dass ungewöhnliche Ereignisse auftreten können."
Bereits 2007 vor Ausbruch der globalen Finanzkrise kritisierte er, dass die ökonomischen Modelle nicht berücksichtigen, dass Wirtschaftsakteuren eben nicht allwissend sind - was auch eher der Realität entspricht. Heute geht er noch einen Schritt weiter: Nicht nur die gängige Theorie der rationalen Erwartungen könne die Wirtschaft nicht hinreichend abbilden, auch der relativ neue Forschungsbereich der Verhaltensökonomie greife viel zu kurz, kritisiert er.
So erklären Verhaltensökonomen Preisexzesse an den Finanzmärkten gern mit Irrationalität und Herdentrieb; Spekulanten würden ihre Entscheidungen ohne Berücksichtigung der realen Entwicklung treffen. Doch das ist keineswegs richtig, wie Frydman in seinem neuen Buch "Beyond Mechanical Markets" beschreibt.