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  FTD-Serie: Neustart der Ökonomie

Von der Krise wurde die Zunft der Wirtschaftswissenschaftler mit wenigen Ausnahmen überrollt. Jetzt spüren einige Theoretiker wieder festeren Boden. Die FTD stellt die neuen Denker von nun an jeden Dienstag vor - in Kooperation mit dem Institute for New Economic Thinking.

Merken   Drucken   05.07.2011, 12:05 Schriftgröße: AAA

Neue Denker (61): Randall Wray und der Mythos Schuldenfalle

Folge, nicht Ursache: Hohe Staatsschulden bremsen das Wachstum, so die Standardthese. Sie ist aber kaum belegt. Es könnte auch genau umgekehrt sein, sagt Randall Wray. von Hubert Beyerle, Berlin
Es gehört Mut dazu, einen Wirtschaftsbestseller wie "Dieses Mal ist alles anders" offen infrage zu stellen. Zu durchschlagend war die Wirkung von Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff, die in akribischer Kleinarbeit Daten zu Staatsinsolvenzen aus 200 Jahren gesammelt hatten. Der US-Ökonom Randall Wray zählt zu den Wenigen, die es gewagt haben.
Reinhart und Rogoff sagen hauptsächlich, dass es eine Schwelle gibt, ab der die Schuldenfalle zuschnappt: Erreichten die Schulden 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, gehe es abwärts mit dem Wirtschaftswachstum. Die Grenzmarke war medienwirksam geschickt gewählt, denn die USA überschritten sie genau 2010.
Die Idee
Randall Wray   Randall Wray
Der Ökonom Wray attestiert Reinhart und Rogoff einen klassischen Ökonomenfehler. "Korrelation bedeutet nicht automatisch Kausalität. Die Kausalität verläuft nicht von den Staatsschulden zum Wachstum, sondern umgekehrt." Mit anderen Worten: Die 90-Prozent-Regel ergibt sich bei Reinhart und Rogoff schlicht aus historischen Durchschnittswerten. Und niedriges Wachstum fällt nun mal oft mit hohen Schulden zusammen. Rezessionen lassen die Schulden ansteigen - wie zuletzt gesehen.
Was Praktiker daraus lernen
Das ganz große Manko dieser Analyse, so Wray: Es fehlt die Unterscheidung zwischen Ländern mit Schulden in eigener und solchen in fremder Währung. Japan hat keine Probleme mit seinen Schulden, weil es sich in eigener Währung verschulden kann.
Das Gleiche gilt auch für die USA, so Wray. Aber es gilt eben nicht für Länder wie Argentinien im Jahr 2000 oder Griechenland 2011. Nur ein Staat, der sich in fremder Währung verschulden muss, die er nicht selbst nachdrucken kann, kann von Insolvenz bedroht werden. Es führt daher in die Irre, simple Schuldenquoten als Indikator für staatliche Solvenz zu nehmen, die diese Unterscheidung nicht machten.

Genauer Hingucker
Krisenkenner Randall Wray ist Professor für Wirtschaftslehre an der University of Missouri-Kansas City. Er gilt als Kenner der Theorien des Krisentheoretikers Hyman Minsky.
  • FTD.de, 05.07.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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