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Merken   Drucken   12.11.2010, 11:38 Schriftgröße: AAA

Neue Epoche: Die amerikanische Vorherrschaft ist beendet

Die wenig spektakulären Beschlüsse des G20-Gipfels werden nicht in die Geschichte eingehen. Von historischer Tragweite ist vielmehr der sichtbare Bedeutungsverlust der USA, die ihre weltweite Dominanz schneller verlieren, als es Präsident Obama lieb sein kann.
© Bild: 2010 reuters
Kommentar Die wenig spektakulären Beschlüsse des G20-Gipfels werden nicht in die Geschichte eingehen. Von historischer Tragweite ist vielmehr der sichtbare Bedeutungsverlust der USA, die ihre weltweite Dominanz schneller verlieren, als es Präsident Obama lieb sein kann. von Peter Ehrlich  Seoul
In Friedenszeiten braucht es zum Glück keine historischen Schlachten wie Trafalgar oder Waterloo, um das Machtgleichgewicht in der Welt zu ändern. Das passiert heute in kleinen Schritten Tag für Tag - und wird dann sichtbar bei Treffen wie dem G20-Gipfel in Seoul. Zu besichtigen war das Ende der amerikanischen Dominanz in der Welt. Das "amerikanische Jahrhundert" geht zu Ende.
US-Präsident Obama   US-Präsident Obama
Spätestens seit dem Ersten Weltkrieg waren die Vereinigten Staaten die militärisch und wirtschaftlich bedeutendste Macht. Vor 20 Jahren, nach dem Zusammenbruch des sowjetischen Blocks, wurden sie die einzige "Supermacht". Als der damalige US-Präsident George H.W. Bush von einer "neuen Weltordnung" sprach, dachte er eine Pax Americana. Doch von da an ging's bergab.
Militärisch dominieren die USA noch immer, einen Alleingang wie im Irak-Krieg könnten sie sich heute trotzdem nicht mehr leisten. Wirtschaftlich sind sie noch mit Abstand die größte Nation, aber das Schicksal der Weltwirtschaft hängt jetzt an Europa und an China. Barack Obama, der anders als Bush junior für eine multilaterale Weltordnung war, muss bitter erfahren, was das in der Praxis heißt. Früher treue Verbündete wie Deutschland kritisieren öffentlich die Geldpolitik der US-Notenbank.
Der jüngste G20-Gipfel war...

 

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Im Gipfel-Kommunique wird nicht wie von den USA gewünscht vor "unterbewerteten Währungen" gewarnt, sondern vor einem Abwertungswettbewerb. Mit ersterem wäre klar China gemeint gewesen, das zweite kann man auch auf die USA anwenden.
Dem neuen G20-Präsidenten Nicolas Sarkozy - Frankreich übernimmt 2011 den Vorsitz von Südkorea - hat die Organisation der zwanzig wichtigsten Industrie- und Schwellenländer den Auftrag erteilt, eine Grundsatzdiskussion über das Währungssystem einzuleiten. Wohin das führen könnte, hat Brasiliens Finanzminister Guido Mantega nach dem Gipfel deutlich gesagt: Auf die Stärkung anderer Reservewährungen zu Lasten des Dollar.
Es war auch symbolisch, dass der Gipfel in Asien stattfand und in einem Land, dass zum ersten Mal ein solches internationales Großereignis veranstaltete. Die Koreaner zeigten, dass ein Treffen dieses Umfangs locker und freundlich organisiert werden kann - und das auch noch ohne grotesken Sicherheitsaufwand wie vor wenigen Monaten in Kanada.
Das Selbstbewusstsein solcher mittelgroßer Nationen zeigt denn auch, dass der amerikanischen Dominanz nicht gleich eine chinesische folgen wird. Die Menschheit versucht es vielleicht tatsächlich mit einer neuen Weltordnung, weil zum ersten Mal nicht mehr in militärisches Gleichgewicht, sondern wirtschaftliche Interdependenz der entscheidende Machtfaktor in der Welt ist.
Ein Bill Clinton kam bei ähnlichen Gipfeln manchmal ohne Begründung eine Stunde zu spät und alle anderen mussten warten. Obama ist höflicher und pünktlicher. Es wäre aber auch nicht mehr sicher, dass man auf ihn wartet.
  • FTD.de, 12.11.2010
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Kommentare
  • 13.11.2010 13:41:57 Uhr   Observer: @ Dr.Faust

    Wieviel Deutschland hat?
    Nun, der Staat hat sicherlich auch nichts, zumindest im Nettovermögen gerechnet.
    Allerdings sind die Deutsch Staatsverschuldung (incl. Kommunen, Ländern etc) mit den deutschen Privatvermögen verrechnet noch immer eine sehr gute Bilanz - zumindest im Vergleich zu den meisten anderen Industriestaaten.
    Da schielen bereits viele neidisch um die Ecke.... :-)
    Ich bin mir sicher, dass diese Vermögen verlockend sind. Das Problem nur: Die sind schon verplant. Mehr oder weniger bezahlen wir damit (durch die Hintertür) die Folgen der Finanzkrise in Europa. Und das geht so:
    Die Deutsche Wirtschaft läuft recht ordentlich. Hätten wir die DMark noch, müsste der Leitzins bereits deutlich höher sein. Da aber die anderen 26 Staaten unserer Gemeinschaftswährung wirtschaftlich schwächeln, bleibt der Leitzins niedrig. Nun haben die Deutschen traditionell das Gros ihrer Vermögen im Sparbereich und Anleihen, also im Geld angelegt. Das war schon immer so. Wenn also die Vermehrung durch Zinsen deutlich geringer ausfällt, als die Geldentwertung zu deutschen Preisen (man kauft seine Butter ja nicht im Ausland), bedeutet dies: Wir bezahlen die Rechnung von unseren Sparguthaben.
    Das auch Deutschland seine Staatsschulden nie vollständig tilgen wird, ist klar. Darum geht es in Summe auch nicht. Wer die Zinsen kontrolliert, hat die Macht über andere. (siehe Banken!) Für die USA ist China also die größte Gefahr und diese Gefahr gilt es für Obama zu verteilen auf andere, damit man "Zwangsverbündete" hat und China paroli bieten kann. (gilt nicht nur für China, aber hauptsächlich als größten Einzelgäubiger der USA)

  • 12.11.2010 20:13:28 Uhr   Kerstin Abelmann: USA
  • 12.11.2010 17:07:53 Uhr   Freiheit: Freie Presse
  • 12.11.2010 16:28:39 Uhr   Dr.Faust: Observer
  • 12.11.2010 13:46:38 Uhr   Observer: Ein letzter Versuch, die Ehre zu wahren
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