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Merken   Drucken   15.09.2011, 10:14 Schriftgröße: AAA

Rezession: Die Rückkehr des R-Worts

Erstmals nach dem Absturz 2009 ist wieder von Rezession die Rede. Aber was ist das überhaupt? Eine Gefahrenanalyse. von Thomas Fricke  , Mathias Ohanian und Martin Kaelble, Berlin
Noch vor ein paar Wochen schien für Deutschlands Wirtschaft nur ein Schlagwort zu gelten: Aufschwung. Seitdem hat sich der Tonfall der Konjunkturexperten so rapide geändert wie selten jemals zuvor. Da war erst von schwächerem Wachstum die Rede. Seit Mittwoch gibt es erstmals wieder führende Forschungsinstitute, die für Deutschland sogar das R-Wort gebrauchen: Rezession.
Mini-Rezession: Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt zum ...   Mini-Rezession: Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt zum Vorquartal in %
Der Begriff wirkt beängstigend, kaum zwei Jahre nach Ende der großen Rezession von 2008/09. Allerdings gibt es sehr unterschiedliche Definitionen davon, was es heißt, eine Rezession zu haben. Eine einfache Regel besagt, dass die Wirtschaftsleistung schlicht zwei Quartale sinken muss. Das wäre nach der neuen Prognose der Fall. Allerdings wäre es danach eher so etwas wie ein Minirezession: zwei Quartale mit leicht sinkender Wirtschaftsleistung ohne gravierendere Abwärtsspirale. Kleiner Zusatz nur: Es könnte auch schlimmer kommen. Ein Deutungsversuch.
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Nach der gemeinsamen Diagnose vom Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) und von Kiel Economics, einem privaten Beratungsunternehmen, steht hinter der erwartbaren Minirezession die Finanzkrise. Da sich noch immer keine Lösung der Schulden- und Vertrauenskrise im Euro-Raum abzeichne, dürften Konsumenten und Unternehmen darauf "mit einer gewissen Konsum- und Investitionszurückhaltung reagieren". Ergebnis: Die Wirtschaft dürfte über ein halbes Jahr hinweg schrumpfen, wenn auch nur leicht.
Etwas optimistischer geben sich die Konjunkturauguren des Kieler Instituts für Weltwirtschaft. Sie wollen das R-Wort noch nicht in den Mund nehmen, zumindest nicht für Deutschland. Ein Grund: Die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen seien hier noch "relativ günstig". Unternehmen wie Staat müssten extrem wenig Zinsen zahlen, anders als viele Krisenländer in der Euro-Peripherie. Und der Druck auf die öffentlichen Haushalte sei auch nicht so hoch. Die Regierung müsse einen "weit weniger restriktiven Kurs" fahren als andere. "Normalerweise gehen richtige Rezessionen mit einem deutlichen Rückgang der Investitionen einher", sagt auch Roland Döhrn, Konjunkturchef am Essener Forschungsinstitut RWI. Dafür gibt es den Prognosen zufolge keine Anzeichen. Bisher.
Auch die IfW-Experten zeigen sich zugleich aber beeindruckt, wie rapide in den vergangenen Wochen die konjunkturellen Frühindikatoren in den Keller sausten. Die drastischen Sparprogramme haben in vielen Euro-Partnerländern die Konjunktur kippen lassen. Deutschland stehe "am Beginn einer Schwächephase", räumen die IfW-Forscher ein. Und: "In solchen Phasen" sei die Dynamik des Abschwungs "erfahrungsgemäß schwer abzuschätzen". Anders ausgedrückt: Da kann schnell eins zum anderen kommen. Daher sei eine Rezession "keineswegs ausgeschlossen".

Teil 2: Gute Chancen auf eine Erholung 2012

  • Aus der FTD vom 15.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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