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Merken   Drucken   23.11.2012, 13:45 Schriftgröße: AAA

Rezession in Europa: Konjunktur - die Zeichen stehen auf Erholung

Frühindikatoren zeigen, dass die Wirtschaft in Deutschland und Europa sich stabilisiert. Dabei kommt ihr die Weltkonjunktur zugute.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Christian Charisius
Frühindikatoren zeigen, dass die Wirtschaft in Deutschland und Europa sich stabilisiert. Dabei kommt ihr die Weltkonjunktur zugute.

Die Zeichen stehen auf Erholung: Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im November unerwartet um 1,4 auf 101,4 Punkte. Damit endete die Serie von sechs Rückgängen in Folge. "Die deutsche Konjunktur stemmt sich gegen die Euro-Krise", sagte Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn zu der Umfrage unter 7000 Managern. Die Stimmung in den Chefetagen besserte sich wegen steigender Exporte und der Aussicht auf ein gutes Weihnachtsgeschäft. Experten sehen die Wirtschaft aber noch nicht über dem Berg und erwarten im vierten Quartal bestenfalls eine Stagnation.

Die Manager beurteilten sowohl die Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate besser. Die Stimmung hellte sich mit Ausnahme der Dienstleister in allen Branchen auf - von der Bauwirtschaft über den Groß- und Einzelhandel bis hin zur Industrie. Dort drehten die Exporterwartungen nach drei Monaten erstmals wieder in den positiven Bereich. "Auftragslage und Nachfrage stabilisieren sich", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. "Die Exporte in die USA und nach Asien scheinen gut zu laufen." Der Handel rechnet angesichts der Rekordbeschäftigung und steigender Löhne mit einem ordentlichen Jahresendspurt. "Für das Weihnachtsgeschäft sind die Einzelhändler optimistisch", sagte Wohlrabe.

Nach einem sehr schwachen Jahresausklang hoffen Fachleute trotz der europaweiten Austeritätsprogramme auf eine leichte Stabilisierung der deutschen Wirtschaft Anfang 2013. Eine Schlüsselrolle bei der Erholung soll die Konjunkturerholung in bedeutenden Absatzländern einnehmen, allen voran den USA und China. "Die wichtigen Frühindikatoren deuten auf eine schneller wachsende Weltwirtschaft in den kommenden Monaten", sagte Andreas Scheuerle, Ökonom bei der Dekabank. Die am Donnerstag gemeldeten Umfragen unter Einkäufern deuteten für die chinesische Industrie im November erstmals seit 13 Monaten wieder auf leichte Expansion hin. Davon dürfte vor allem die stark exportorientierte deutsche Wirtschaft profitieren.

Mit einer Ausfuhrquote von über 50 Prozent hängt die deutsche Wirtschaft extrem ab von der Erholung der Weltkonjunktur. Das gilt umso mehr, als die hiesige Binnenkonjunktur derzeit kaum läuft. Zwar legte der private Konsum nach einer ersten Veröffentlichung des Statistikamts Destatis im Sommerquartal leicht zu. Die Investitionen der Unternehmen sinken jedoch bereits seit Herbst vergangenen Jahres ohne Unterbrechung - und hier sehen Fachleute auch in den kommenden Monaten keine Chance auf Erholung.

Im Gegenteil: Im aktuellen Jahresschlussquartal dürfte es noch einmal merklich bergab gehen. So rechnen die Konjunkturexperten der Dekabank mit einem gesamtwirtschaftlichen Minus von 0,4 Prozent in den drei Monaten von Oktober bis Dezember.

Danach aber, so glauben viele Experten, könnte die bessere Nachfrage aus dem Ausland der deutschen Wirtschaft etwas Schwung verleihen. Inzwischen verkaufen die deutschen Unternehmen immer mehr Waren und Dienstleistungen in Drittländer außerhalb Europas.

Konjunkturschwung in den Abnehmerländern

Und die Konjunktur in den wichtigen globalen Abnehmerländern kommt wieder etwas in Fahrt. Im November stieg der von der Großbank HSBC und dem Datendienstleister Markit ermittelte Einkaufsmanagerindex für Chinas Wirtschaft von 49,5 auf 50,4 Punkte - und liegt damit erstmals wieder über der Wachstumsschwelle von 50 Zählern. "Seit Wochen mehren sich die Anzeichen für eine leichte Konjunkturbeschleunigung in China", sagte Gregor Eder, Schwellenlandexperte beim größten deutschen Versicherer Allianz.

Am Mittwoch gemeldete Umfragen unter US-Einkäufern deuten ebenfalls auf bessere Geschäfte als noch im Oktober. Die Chancen stehen gut, dass der Aufwärtstrend in der größten Volkswirtschaft der Welt anhält, sofern die gesetzlich verankerten Steuererhöhungen Anfang 2013 doch nicht in Kraft treten. Dafür müssten sich Republikaner und Demokraten in den kommenden Wochen auf einen Kompromiss einigen, was nach der US-Wahl wieder wahrscheinlicher ist.

Begünstigend hinzu kommen jüngst veröffentlichte Frühindikatoren, die auf eine Besserung des Welthandels hindeuten. Davon profitierten die deutschen Unternehmen bereits im November: Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg im Vormonatsvergleich um fast einen Punkt auf 46,8 Punkte. Damit liegt das viel beachtete Konjunkturbarometer deutlich über dem Juli-Tief von 43 Punkten - zeigt indes noch immer auf sinkende Geschäfte. "Das Rezessionsrisiko ist mit den neuen Umfragen unter Einkäufern im November aber gesunken", sagte Christian Schulz, Konjunkturexperte bei der Berenberg Bank in London. Er rechnet für Anfang 2013 ebenfalls wieder mit einem leichten gesamtwirtschaftlichen Plus in Deutschland - aber auch in der Euro-Zone insgesamt.

Die Prämisse dafür ist jedoch, dass die Euro-Krise nicht wieder aufbricht. Positiv dabei: Die neuerlichen Diskussionen um Griechenland führten im November nicht zu einem erneuten Vertrauensverlust bei den Unternehmen. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrie stieg von 45,5 auf 46,2 Punkte und damit auf den höchsten Stand seit März. Damit sinken die Umsätze in der Industrie jedoch noch immer. So sieht es in weiten Teilen Europas weiterhin düster aus: Die Euro-Schwergewichte im Süden, Italien und Spanien, dürften mindestens bis zum Frühjahr schwache Wirtschaftszahlen liefern. Wegen der staatlichen Sparprogramme und hoher privater Schulden liegt auch die Binnenkonjunktur in den stabileren Volkswirtschaften wie Frankreich und den Niederlanden am Boden.

So warnt denn auch David Milleker, Chefökonom bei Union Investment, vor zu viel Optimismus: Trotz besserer Unternehmensstimmung sei im Euro-Währungsraum im kommenden Jahr bestenfalls Stagnation zu erwarten, sagte er. Die deutsche Wirtschaft dürfte seiner Auffassung nach dann immerhin leicht wachsen.

  • Aus der FTD vom 23.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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