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Merken   Drucken   26.06.2011, 18:21 Schriftgröße: AAA

Risiken im Finanzsektor: BIZ warnt vor Krisen in Schwellenländern

Laut der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich drohen in China, Indien und Brasilien Finanzblasen wie in Irland und Spanien. Die BIZ ruft die Industrieländer zur Mithilfe auf - sie sollen ihre Zinsen erhöhen. von Wolfgang Proissl  Frankfurt
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) warnt vor einer Finanzkrise in den Schwellenländern wie China, Indien und Brasilien. "In einigen aufstrebenden Volkswirtschaften sind die nur allzu vertrauten Anzeichen zunehmender Risiken im Finanzsektor zur beobachten: ein rasanter Anstieg des inländischen Kreditvolumens und ein Höhenflug der Vermögenspreise", sagte BIZ-Chef Jaime Caruana am Sonntag bei der Vorstellung seines Jahresberichts in Basel. Es drohe ein "erneuter Schaden verursachender Finanzzyklus".
Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Shanghai   Wanderarbeiter auf einer Baustelle in Shanghai
Mit seiner Warnung erschüttert Caruana den Glauben von Regierungen und Ökonomen in den Industrieländern daran, dass die Wiederherstellung von Finanzstabilität nur eines Abbaus der Schulden in der Euro-Zone, den USA und Japan bedürfe. Die BIZ ist eine Finanzorganisation, die Teile der Weltwährungsreserven verwaltet und deshalb als Zentralbank der Zentralbanken bezeichnet wird.
Die BIZ-Ökonomen zeichnen im Jahresbericht erschreckende Parallelen zwischen Irland, Spanien, Großbritannien und den USA bis zur Finanzkrise 2007 und der heutigen Lage in China, Indien und Brasilien. Die Immobilienpreise stiegen dort "mehr oder weniger in dem Tempo, das vor der Krise in einigen fortgeschrittenen Volkswirtschaften zu beobachten war", so der Bericht. "Auch die Verschuldung des Privatsektors nimmt rapide zu. Zwar war das Ausgangsniveau niedrig, doch das galt zu Beginn der 2000er-Jahre auch für einige fortgeschrittene Volkswirtschaften, unter anderem für Irland und Spanien."
Die BIZ-Statistiken belegen zudem Parallelen beim explodierenden Kreditwachstum. "In Brasilien, China und Indien beispielsweise ist das Kreditvolumen von 2006 bis 2010 im Jahresdurchschnitt um 20 Prozent gewachsen - also genauso stark oder sogar stärker als in Irland oder Spanien." Die "Erfahrung einer eigenen Krise" bleibe den Schwellenländern nur erspart, wenn sie Überhitzungen schnell gegensteuerten, mahnt die BIZ.
Allerdings sieht die Finanzorganisation die Industrieländer in der Mitverantwortung. Besonders die Politik des billigen Geldes zur Konjunkturstimulierung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften verursache in den Schwellenländern schwere Schäden. Der Leitzinssatz in der Euro-Zone liegt trotz steigender Inflation nur bei 1,25 Prozent, in den USA gar nur bei 0,25 Prozent. BIZ-Chef Caruana kritisierte deshalb, dass die realen kurzfristigen Zinsen im Vorjahr weltweit mit Werten von minus 0,6 Prozent auf minus 1,3 Prozent noch tiefer gefallen seien. Anleger würden durch die höheren Ertragsaussichten dazu motiviert, "Mittel in den boomenden aufstrebenden Volkswirtschaften zu investieren". Das führe dort zu "finanziellen Ungleichgewichten" und schaffe "das Risiko einer schwerwiegenden Störung". Die Zinsen in Industrieländern müssten steigen.
Mit Blick auf die beschädigten öffentlichen Finanzen in den Industriestaaten schlägt die BIZ Alarm. Rückläufige Staatseinnahmen und höhere Gesamtausgaben in der Rezession hätten zu Defiziten in einer Größenordnung geführt, "wie sie in Friedenszeiten noch nie beobachtet worden waren". Die Fehlbeträge müssten nun rasch abgebaut werden. "Die Stimmung an den Märkten kann jederzeit umschlagen und die Regierungen zwingen, noch drastischere Maßnahmen zu ergreifen, als zu einem früheren Zeitpunkt notwendig gewesen wären", heißt es in dem BIZ-Bericht.
  • Aus der FTD vom 27.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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