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Merken   Drucken   08.06.2012, 11:58 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Bundesbank stemmt sich gegen Konjunkturpanik

In Europa tobt die Staatsschuldenkrise, die deutsche Notenbank hält mit Optimismus dagegen. Sie rechnet nicht damit, dass die Konjunktur hierzulande einbricht - im Gegenteil. Von den Exporteuren kommen allerdings schlechte Nachrichten.
© Bild: 2012 DPA/Bildfunk/Oliver Krato
In Europa tobt die Staatsschuldenkrise, die deutsche Notenbank hält mit Optimismus dagegen. Sie rechnet nicht damit, dass die Konjunktur hierzulande einbricht - im Gegenteil. Von den Exporteuren kommen allerdings schlechte Nachrichten.
von Brüssel und Berlin

Trotz der Turbulenzen um die Euro-Wackelkandidaten Spanien und Griechenland droht Deutschland laut Bundesbank kein Konjunktureinbruch. Die Bundesbank erwartet 2012 ein Wachstum von 1,0 Prozent, deutlich mehr als noch im Dezember, als sie von nur 0,6 Prozent ausging. Die Währungshüter sind zudem optimistischer als die Bundesregierung, die in ihrer Frühjahrsprognose nur mit 0,7 Prozent rechnet. Für 2013 erwartet die Bundesbank eine weitere Beschleunigung auf 1,6 Prozent, was allerdings leicht unter den 1,8 Prozent liegt, von denen sie bisher für das kommende Jahr ausging.

Die Einschätzung zeigt, dass sich die deutschen Währungshüter gegen den allgemeinen Konjunkturpessimismus stemmen wollen. So betonte die Bundesbank, die zahlreichen deutschen Absatzmärkte in aller Welt begrenzten die Risiken, die sich aus der Euro-Staatsschuldenkrise für Deutschland ergeben. So sei der Anteil deutscher Exporte in die fünf derzeit am meisten von der Krise betroffenen Euro-Staaten Griechenland, Portugal, Irland, Italien und Spanien von 1991 bis heute von 16 auf elf Prozent gefallen. Die heimische Konjunktur werde zudem von "der sehr expansiven europäischen Geldpolitik" und den Effekten gestützt, dass Anleger Deutschland als sicheren Hafen sehen.

"Ich gehe davon aus, dass die expansiven Kräfte die Oberhand behalten, wenn die Schuldenkrise im Euro-Gebiet nicht eskaliert", sagte Bundesbankchef Jens Weidmann. "Dabei dürfte sich im Jahresverlauf die konjunkturelle Dynamik angesichts einer immer noch soliden Weltwirtschaft und der sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen verstärken."

Dennoch räumte die Bundesbank ein, dass der Ausblick von "einem außergewöhnlich hohen Ausmaß an Unsicherheit und Risiken" unterlegt sei. "Käme zu der bereits in der Schätzung berücksichtigten schwächeren Entwicklung im Euro-Raum ein spürbarer konjunktureller Dämpfer in Drittstaaten hinzu, würde dies die deutsche Volkswirtschaft angesichts ihres hohen Offenheitsgrades empfindlich treffen", heißt es in der Prognose. Allerdings betont Weidmann auch die Möglichkeit, dass es besser als erwartet kommt: "Wenn sich die Verunsicherung schneller legt, als wir das im Basisszenario erwarten, dann könnten die sehr vorteilhaften Finanzierungsbedingungen auch eine stärkere expansive Wirkung auf die Binnenwirtschaft entfalten."

Die deutsche Konjunktur...

 

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Aktuell bereitet der Rückgang der Exporte im April Sorgen: Sie sanken zum ersten Mal in diesem Jahr. Die Unternehmen verkauften 1,7 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das war der erste Rückgang nach drei Anstiegen in Folge.

Nach einem starken Jahresbeginn ist es für das Exportgeschäft ein schlechter Start ins zweite Quartal. Zwischen Januar und März waren die deutschen Ausfuhren trotz Euro-Krise noch erstaunlich gut gelaufen. In den ersten drei Monaten waren die Exporte im Schnitt um 1,6 Prozent gestiegen.

Ökonomen warnen daher davor, aufgrund des Minus im April bereits von einem Einbruch zu sprechen. Der Rückgang der Exporte im April sei unter anderem auf statistische Probleme bei der Saisonbereinigung zurückzuführen, sagte Ulrike Rondorf, Volkswirtin der Commerzbank. "In den letzten beiden Jahren ließ sich in den Monaten März und April ein ähnliches Muster beobachten", so Rondorf. Damit ist der Aprilwert nur eingeschränkt aussagekräftig. Hinzu kommt: Die neue Zuspitzung der Euro-Krise erfolgte erst im Mai. Die Effekte der Turbulenzen sind also noch nicht in den Aprilzahlen zu sehen. Erst mit den Zahlen vom Mai wird sich wohl zeigen, wie es um den deutschen Export wirklich steht.

Analysten sind pessimistisch

Analysten sehen die kommenden Monate eher pessimistisch. "Die Exporte dürften auch in den kommenden Monaten schwächeln. Die Euro-Krise ist im Mai nach den Wahlen in Griechenland und Frankreich eskaliert. Das macht sich erst noch bemerkbar in der Statistik", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank.

"Die Auftragslage der Unternehmen ist schlechter geworden wegen der Probleme in der Euro-Zone. Das spiegelt sich jetzt in den Exporten wider. Der Außenhandel wird in diesem Jahr nicht mehr zum Wachstum beitragen. Die Binnenwirtschaft bleibt aber angesichts der sinkenden Arbeitslosigkeit und guter Lohnabschlüsse robust", sagte Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus. Der exportabhängigen Industrie brachen die Auslandsaufträge im April um 3,6 Prozent weg. Zuletzt lief es auch in den boomenden Schwellenländern deutlich schlechter: China dürfte in diesem Jahr so langsam wachsen wie seit 1999 nicht mehr, Indiens Bruttoinlandsprodukt legte zuletzt so schwach zu wie seit neun Jahren nicht mehr.

Bundesbank glaubt an robusten Arbeitsmarkt

Entspannt zeigt sich die Bundesbank in ihrer Prognose bei der Inflationsentwicklung. Für 2012 und 2013 rechnen sie mit einer Inflationsrate von 2,1 Prozent beziehungsweise 1,6 Prozent. Damit würde sie nächstes Jahr wieder unter die Marke von zwei Prozent fallen, bis zu der die Europäische Zentralbank (EZB) von stabilen Preisen spricht. Noch vor einem Monat hatte die Bundesbank gesagt, Deutschland werde "künftig in der Währungsunion eher überdurchschnittliche Inflationsraten ausweisen".

Die Währungshüter rechnen zudem damit, dass sich der günstige Trend am Jobmarkt grundsätzlich fortsetzt. Die Zahl der Arbeitslosen werde im Jahresschnitt auf 2,8 Millionen sinken und die Arbeitslosenquote auf 6,7 Prozent zurückgehen. Im kommenden Jahr könne die Quote sogar auf 6,5 Prozent fallen.

  • FTD.de, 08.06.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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