Auch mit dem Austritt eines Landes aus dem Währungsgebiet müsse mittlerweile gerechnet werden, sagte Mayer. So sei ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft nicht mehr tabu. Es bestehe das Risiko, dass dort nach den 2012 geplanten Neuwahlen eine Regierung komme, die entweder nicht willens oder nicht fähig sei, den Sparkurs weiterzutragen. "Dann würden vermutlich die Hilfsprogramme eingestellt. Und die Griechen müssten eigenes Geld drucken, um ihre Rechungen zu bezahlen. Dieses können sie Drachme nennen oder auch anders."
Italien geriet in der zweiten Jahreshälfte verstärkt in den Strudel der Schuldenkrise. Nachdem das Land annähernd acht Prozent Zinsen bieten musste, um Anleihen loszuschlagen, gab es Spekulationen darüber, ob Rom unter den Euro-Rettungsschirm EFSF schlüpfen und damit Irland und Portugal folgen muss, die bei ähnlich hohen Werten für ihre Bonds die Hilfe internationaler Partner annahmen. Zum Vergleich: Griechenland steht welteit mit mehr als 350 Mrd. Euro in der Kreide, Italien mit mehr als 1800 Mrd. Euro.
Italiens Wirtschaft rutschte im Sommer in eine Rezession, die nach Bewertungen von Ökonomen gut ein Jahr dauern wird. Von Juni bis September sank das Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorquartal.
Wie stark die Schuldenkrise gerade Italiens Banken getroffen hat, zeigt der Trick, mit dem sie am jüngsten Geldleihegeschäft der Europäischen Zentralbank teilgenommen haben: Alle Institute, die sich bei der Notenbank Geld leihen wollen, müssen ein Pfand hinterlegen, oft Wertpapiere wie Staats- oder Bankanleihen. 14 italienische Geldhäuser brachten eigene Anleihen im Volumen von fast 40 Mrd. Euro heraus - einzig mit dem Zweck, sie als Sicherheit bei der EZB zu hinterlegen. Normalerweise akzeptiert die EZB keine unbesicherten Anleihen als Pfand, die vom Kreditnehmer selbst ausgegeben wurden. Die Anleihen wurden deshalb von Rom mit einer staatlichen Bürgschaft versehen.