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Merken   Drucken   24.07.2012, 07:48 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Deutschlands Top-Rating in Gefahr

Die Schuldenkrise der Euro-Zone reißt Deutschland mit sich. Als erste Ratingagentur senkt Moody's den Ausblick für Deutschland auf "negativ". Das Bundesfinanzministerium kritisiert die Einschätzung.
© Bild: 2012 AFP/JOEL SAGET
Die Schuldenkrise der Euro-Zone reißt Deutschland mit sich. Als erste Ratingagentur senkt Moody's den Ausblick für Deutschland auf "negativ". Das Bundesfinanzministerium kritisiert die Einschätzung.

Die Ratingagentur Moody's hat den Ausblick für die Kreditwürdigkeit Deutschlands auf "negativ" herabgestuft. Grund dafür seien mögliche weitere, hohe finanzielle Kosten in Folge der Euro-Krise für Griechenland, Spanien und Italien, teilte die Agentur am späten Montagabend mit. Solche Kosten müssten dann vor allem wirtschaftlich starke Länder wie Deutschland als größte Volkswirtschaft der Euro-Zone schultern, hieß es.

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Auch der Ausblick für die Niederlande und Luxemburg wurde auf "negativ" gesenkt. Bei der Kreditwürdigkeit als solcher behielt Deutschland aber auch bei Moody's nach wie vor die Bestnote, die es auch bei den anderen beiden großen Ratingagenturen innehat.

Das Bundesfinanzministerium reagierte umgehend und teilte mit, Deutschland bleibe weiter Stabilitätsanker in der Euro-Zone. Man befinde sich auch weiter in einer sehr soliden wirtschaftlichen und finanziellen Lage. Die Einschätzung von Moody's stelle die kurzfristigen Risiken in den Vordergrund, während längerfristige Stabilisierungsaussichten unerwähnt blieben.

Ein negativer Rating-Ausblick bedeutet, dass nach einiger Zeit eine Herabstufung auch der Kreditwürdigkeit insgesamt fällig werden könnte - was oft höhere Kosten für das Land bei der Aufnahme neuer Kredite nach sich zieht. Deutschland kann derzeit zu äußerst niedrigen Zinsen frisches Geld aufnehmen, im Gegensatz zu Ländern wie Spanien oder Italien, die teils mehr als sieben Prozent zahlen müssen.

Bei der Agentur S&P haben Deutschland, die Niederlande, Luxemburg und Finnland ebenfalls die Bestnote, aber nur Deutschland noch einen "stabilen" Ausblick. Die dritte große Agentur, Fitch, bewertet die vier Länder ebenfalls mit "AAA", gibt ihnen allen aber einen stabilen Ausblick.

Erst im Februar hatte Moody's den Ausblick für die ebenfalls mit "Aaa" bewerteten Länder Frankreich und Österreich auf "negativ" gestuft. Dies bedeutet nicht zwangsläufig eine Herabstufung in naher Zukunft, ist aber ein Hinweis darauf, dass der Spielraum bei einer Verschlechterung der öffentlichen Finanzen nur noch gering ist.

Am Geldmarkt kamen die Nachrichten nicht gut an. Der Euro  verlor gut 0,2 Prozent, hielt sich mit etwas über 1,21 Dollar aber über dem Zweijahres-Tief von 1,2067 vom Montag. An der Aktienbörse in Tokio verlor der Leitindex Nikkei  0,7 Prozent. Allerdings nannten Händler nicht den geänderten Moody's-Ausblick als Grund, sondern weiter die zugespitzte Lage in Spanien. Die US-Börsen hatten am Montag ebenfalls nachgegeben, was aber ebenfalls auf Spanien und Griechenland zurückgeführt wurde. Die Moody's-Mitteilung kam erst nach US-Börsenschluss.

Moody's teilte mit, es sei inzwischen wahrscheinlicher geworden, dass Griechenland die Euro-Zone verlassen könnte. Das könne zu einer ganzen Kette von Schocks an den Finanzmärkten führen, die die Politik nur zu sehr hohen Kosten eindämmen könnten. Zudem könne es sein, dass Deutschland und andere Länder mit der Spitzen-Bonität "Aaa" ihre Unterstützung für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien und Italien aufstocken müssten. Die Hauptlast für eine solche Stützung würde auf die Top-gerateten Staaten der Euro-Zone fallen. Das spiegele sich nun in dem von "stabil" auf "negativ" geänderten Ausblick wider.

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Moody's habe nun alle Länder mit einem negativen Ausblick versehen, von denen man davon ausgehe, dass sie einen Hauptteil finanzieller Hilfen tragen müssten, teilte die Agentur mit. "Wir sind in einer Übergangsphase, die mehrere Jahre andauern kann. Während dieser Phase sehen wir zusätzlichen Druck auf die Länder mit den stärksten Haushalten, was steigenden Druck auf deren Kreditwürdigkeit nach sich zieht."

Das ebenfalls mit der Moody's-Bestnote bewertete Finnland entging indes einem verschlechterten Ausblick. Die Agentur begründete das unter anderem mit dem kleinen und auf den Heimatmarkt fokussierten finnischen Bankensystem, von dem nur geringe Risiken ausgingen.

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  • Reuters, 24.07.2012
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