Der jüngste Aufruf von fast 200 Ökonomen hat deutlich gemacht, wie tief verwurzelt Vorstellungen über die "unsoliden Südländer" sind. Dies spiegelt sich denn auch in Deklarationen aus Berlin, Brüssel und Washington nach der Wahl in Griechenland, es werde kein "Rabatt" auf die Sparanforderungen gewährt!
Sicherlich, der Reformbedarf im Land ist weiterhin groß. Aber insbesondere bei der Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit haben die Griechen in relativ kurzer Zeit viel erreicht - unter schweren Opfern.
Ein wichtiger Maßstab für den Anpassungsbedarf ist die Entwicklung der Lohnstückkosten. Sie sind in einer Währungsunion der entscheidende Indikator, sowohl für die Inflationsentwicklung als auch für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Maßstab für Wohlverhalten in der Euro-Zone ist eine Entwicklung der Lohnstückkosten im Einklang mit dem Preisziel der Europäischen Zentralbank ("unter, aber nahe bei zwei Prozent").
Gemessen an diesem Preisziel der EZB signalisiert die aktuelle Prognose der EU-Kommission eine Trendwende für Griechenland: Nach Jahren, in denen die Lohnstückkosten und die Inflation im Land drastisch über das Stabilitätsziel der Zentralbank hinausgeschossen waren, wurde es zur letzten Jahreswende wieder erreicht. Zwischen Thessaloniki und Iraklio sinken die Lohnstückkosten deutlich. Und das nicht durch einen Anstieg der gemessenen Arbeitsproduktivität infolge massiver Entlassungen, sondern im Wesentlichen durch eine brutale Senkung der Löhne um rund ein Fünftel. Die Konsequenzen dieses harschen Bremskurses sind offenkundig. Die Nachfrage in Griechenland ist zusammengebrochen. Statt Aufschwung herrscht Depression.
Die Korrektur der Wettbewerbsfähigkeit, auf die alle warten, ist also in vollem Gange. Auch Irland, Portugal und Spanien haben laut EU die hier eingeforderte Anpassung schon mehr als erfüllt.
Etwas anderes zeigen die Zahlen allerdings auch - etwas, was die aktuelle Stammtischdiskussion in Deutschland aber übersieht und politische Akteure oft verschweigen: Deutschland hat ebenfalls noch Anpassungsbedarf - in die andere Richtung. Der Anstieg der Lohnstückkosten in der Bundesrepublik hat über fast ein Jahrzehnt das Inflationsziel der EZB deutlich unterschritten. Erst in der Euro-Krise ist die Entwicklung mit der Preisstabilität vereinbar. So wie der Anstieg in Griechenland hinter dem Durchschnitt des Euro-Raums zurückbleiben muss, ist in Deutschland ein Anstieg oberhalb des Durchschnitts erforderlich.
Daher ist es verfehlt, wenn etwa Kanzlerin Angela Merkel fordert, dass sich alle Länder an das deutsche Niveau anzupassen haben. Denn Deutschland hat das Preisstabilitätsziel der EZB ebenfalls verletzt - nach unten. Und das nicht, weil seine Produktivität so überlegen wäre - in Griechenland wuchs sie seit Beginn der Währungsunion bis zur Krise deutlich stärker als in Deutschland.
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Bezahlen müssen das die deutschen Arbeitnehmer gleich doppelt: einmal über die schädliche Lohnzurückhaltung und womöglich ein weiteres Mal über höhere Steuern, um von Insolvenz bedrohte Banken in Europa zu stabilisieren und Milliardenbürgschaften einzulösen.
Anpassungsbedarf ist in einer Währungsunion eben immer ein relatives Konzept. Das beste, weil am wenigsten schmerzliche Anpassungsprogramm für Griechenland wäre eine frühe und starke Anpassung in Deutschland gewesen. Zugleich hätte eine Entwicklung der Lohnstückkosten in Deutschland, die dem Preisziel der EZB entsprochen hätte, unser Land deutlich wohlhabender gemacht. Denn Anpassung hätte für Deutschland nicht bedeutet - wie viele argwöhnen -, seine Produktivität abzusenken. Sondern nach höherer Produktivität zu streben, aber die Früchte dieser Anstrengung über produktivitätsgerechte Löhne viel stärker an die zu verteilen, die sie erarbeitet haben. Die Deutschen hätten sich dann nicht über Zahlungsbilanz- und Bankenkrisen, auch nicht über Target-Salden sorgen müssen, schon gar nicht darüber, ob Europa den Euro braucht.
@Illoinen-12.07.12-und weil an Ihrer Feststellung wahres ist , sehen Sie das Europa so nicht werden und sein kann.Deshalb muss der Bürger zur Politik "STOPP" sagen und einen Neubeginn unter Berücksichtigung von div. Vorhandenem, starten.Das ginge aber nur, wenn Angst, Korruption und Lobbyeinfluss beseitigt (eleminiert) oder auf ein nützliches Mass begrenzt werden. Undzur Durchführung nimmt man Kaufleute, die nach fünf Jahren qualifizierte Politiker in die Materie einarbeiten und nach Übergabe weiterhin begleitend zur Verfügung stehen. Als Festangestellte des Staates für 10000 Währungseinheiten/mtl.